Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Folgen des österreichischen Erbfolgekrieges für die Juden Kremsiers
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 3)
- Language
- German
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274 Die Folgen des österreichischen Erbfolgekrieges. Durchzugsgebiet der kaiserlichen und feindlichen Heere, in Polge der allgemeinen Heimsuchungen, welche der Krieg in seinem Gefolge führt, schon genug zu leiden, so mussten sie jetzt noch zum (Jebcrmasse die Verfolgungen der Bürger, der Feinde aus ihrer eigenen Mitte, geduldig über sich ergehen lassen. Am härtesten aber ward wieder, wie im 30jährigen Kriege, speciell die Gemeinde Kremsier von den Unbilden betroffen und mit einem guten, vollen Antheile von den bösen Geschicken bedroht, welche das unheilvolle Jahr 1742 in seinen! Schoosse barg; sie leerte deh Unglücksbecher bis zur Neige, Am 2. Februar 1742 brachen die Preussen unter der Führung des Majors Polster in Kremsier ein, entwaffneten die Schlosswache, besetzten das Stadtthor und legten den Bewohnern eine Contribution von 53000 fl. auf. Die mit den Preussen in regem Geschäftsverkehre stehenden Juden, welche, um -Repressalien zu entgehen, bereitwillig ihren Theil dazu bei- ׳trugen, dürften nicht besser und nicht schlechter als die Üebrigen behandelt worden sein, ein Umstand, der allein hier zu Lande schon Grund genug zur Beschuldigung gab׳, dass sie mit dem Könige Friedrich, ihrem Beschützer, hoehverrätherische Verbindungen unterhielten. Auch gegen die Gemeinde Nikolsburg, wo die Preussen am 20. Februar 1742 eie drangen und unter Androhung der Plünderung eine Oontribution von 30000 fl. verlangten, welche sie dann nach langen Bitten auf 9000 fl. reducirten, wurde das falsche Gerücht verbreitet, dass sie dem Feinde Vorschub leistete oder sogar Spionendienste verrichtete. Dieses leere Geschwätz zum Vorwände nehmend, erliess der commandirende Feldherr in Brünn am 14. März 1742 den Befehl1), dass die gesummten Juden Mährens bis zum 20. März 50,000 fl. zusammenzulegen und abzuliefern hätten, widrigenfalls sie an allen Orten, wo sie in Mähren getroffen würden, geplündert und niedergemacht werden sollten. Da die Preussen den Weg zwischen Brünn 1) Das vom I^eldmarschall Seher veröffentlichte scharfe Patent lautet: ,,Nachdem besagte Jadenschaft in diesem Markgrafthum Mähren nicht nur allein sehr viele Gottlosigkeiten und Untreu wider das Vaterland und Ihro königliche Maiestät unsere allergnädigst-rechtmässige Königin und Frau begangen, sondern auch denen Feinden, allenthalben grossen Vorschub und Geldvorschuss gethan; so wird derselben Ernstgemessen bedeutet, dass sie auch zum Dienst allerhöehstgedacht Ihro königlicher Maiestät ä dato bis auf den 20. lauffeuden Monats Marti! 50 Tausend Gulden Eheinisch bar zusammen legen und anher0 liefern sollen; widrigens alle Juden aller Orten, wo sie in Mähren anzutreffen, geplündert und niedergemacht werden würden.“