Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Targumim. nach talrnudischen Quellen. 247 hange ergeben solle, auf die griechische Bibel-Uebersetzung des Akylas. Diese Ansicht hat sich seitdem ungeschwächt erhalten und gilt bis zum Augenblick bei der gesammteu Kritik als ein sicheres Ergebniss. Nun wendet aber der babyi. Talmud denselben Ausspruch des B’ Jeremia im Namen des W Chij־ja b’ Abba auf das aramäische Pentatench-Targum des Önkelos an, und der offene Widerspruch in den Darstellungen beider Talmude wird dadurch, dass der letztgenannten Quelle die Zuverlässigkeit in historischen Mittheilungen abgesprochen wird (Berliner, S. 99 Anm.), nur mit Hilfe eines gewaltsamen Eingriffes beseitigt. Mit der Annahme jedoch, dass Akylas ausser der griechischeu Uebersetzung der ganzen Schrift auch das aramäische P en ta teuc 11 -Targuni angefertigt habe, einer Yermuthung, die schon von dem findigen B’ Benjamin Musaphia (im מוסף הערוך unter ספקלפזורין) geäussert und die von N. Adler (Vorrede zu נתיבה לגר) unterstützt wird, lässt sich sehr wohl ein frieälieber Ausgleich der Differenz erzielen. Denn dann würde der Ausspruch des IV Jeremia im jerusal. Talmud auf die griechische, im babyi. aber auf die aramäische lieber־ setzung sich beziehen und zur Voraussetzung haben, dass beide Arbeiten unter den Änspicien ß’ Eliesers und B5 Josuas entstanden seien. Der Einwand, dass ein Proselyt am aller wenigsten dazu berufen gewesen wäre, die Uebertragung i11Js Aramäische zu bewirken, da er schwerlich hätte befähigt sein können, die geeignete Auswahl in dem halachischen und agadisehen Material zu treffen, welches in die Uebersetzung ver־ flochten werden sollte (Berliner S. 98), ist durchaus hinfällig. Die bisher allgemein gütige Vorstellung von der Stellung des Targumisten zur Halacha wird weiter unten (Abschnitt X) als irrig nachgewiesen werden, und gerade ein Pioselyt erscheint darum am besten geeignet, eine tendenzfreie Uebersetzung zu liefern, weil er allein die unentbehrliche genügende Objectivität zu einer solchen Arbeit besessen haben wird. Dazu tritt, dass die Persönlichkeit, welche hier in Frage kommt, alle sonstigen Bedenken vollends zerstreut. Akylas hatte durch seine griechische Schriftübertragung, welche zur Zeit der Abfässung des Pentateuch-Targnms längst vollendet war (Abschnitt VI), den Beweis erbracht, dass er durch vollkommene Beherrschung des Stoffes und der Sprache unbedingt hervorragende Befähigung für diesen Beruf besitze. Sein Lebenswandel war der Ausdruck peinlichster Frömmigkeit (Tossefta Chagiga 3, 3, vgl. weiter Abschnitt VI) und gab die sicherste