Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Targumhn nach talmudischen Quellen. 240 um solche Uebergriffe zu verhindern. Die Synode des Chananja ben Chi skia muss also zwischen 15 und 30 getagt haben (gegen. Graetz, III, Note 26, wonach auch Zunz (G־. V., S. 128) bezüglicli Megillath Thaanith zu berichtigen ist.) Die Thätigkeit dieser Synode bezüglich des Buches Ezechiel war nicht (wie Graetz das, annimmt) auf Feststellung des Kanons gerichtet, da ״beim Entstehen des Christenthums dieser für die Praxis jedenfalls ganz fest stanci“ (Nöldecke, Alttest, Lit., S. 239). Viel wahrscheinlicher ist die Annahme, dass durch das T arg um des Jonathan die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf dieses Buch gelenkt worden ist. Durch die Uebersetzung in die Landessprache ist es in immer weiteren Y 01 k s k r e i s e n b ekan 111 ge wer cl en, u n d die me h r f a c h e 11 Widersprüche seines Inhaltes zum Pentateuch sind dadurch in die breite 0Öffentlichkeit gedrungen. Vielleicht — und das sei wenigstens vermuthungs weise ausgesprochen — dachte man auch gar nicht daran, das Buch des Propheten Ezechiel selbst, sondern vielmehr das Targ um davon zu unterdrücken. Daraus würde folgen, dass Jonathan sein Targum zwischen 15 und 20 abgefasst haben müsste, da die Synode des Chananja sich schon mit Wirkungen desselben beschäftigt hätte. Mit dieser Darstellung stimmt die auffällige Thatsache überein, dass Jonathan’s Arbeit von seinen gelehrten Zeitgenossen vorn achlässigt. worden ist, und dass sie ohne sichtlichen Einfluss geblieben ist. Jedenfalls scheint sein Targmn schon frühzeitig gewisse Bedenken wach gerufen und dem Verfasser die massgebenden Kreise entfremdet zu haben. Darum wird wohl auch die Kette der Traditon von Hillel und Schammai, mit Umgehung Jonathan’,s, unmittelbar auf dessen jüngeren Mitschüler JE Jochanan ben Sakkai (Abotli 2, 8) weiter fortgeführt. Das Targum Jonathan’s hat dafür die Volksgunst in um so höherem Grade gewonnen und fast 130 Jahre lang die Synagoge beherrscht. Erst eine spätere Generation entdeckte, dass es die Belehrung gefährde, und veranlasste, dass R? Simon b. Gamliel es abrogirte, den Vortrag daraus verbot und an seine Stelle eine wortgetreue Uebersetzung einführte, zu der Jonathan’s Arbeit den Stoff nicht lieferte und ihrer Anlage nach nicht liefern konnte. Dadurch geriet!! diese Uebersetzung in Vergessenheit. In Palästina, wo die Autorität des RSbG. unbestritten war, ist jenes Targunrwerk ganz unbeachtet geblieben, während es in Babylonien sich wohl traditonell erhalten und von Späteren, wie Rab Joseph, neu redigirt werden konnte.