Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
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244 Zur Geschichte der Targuimm nach talmudi sehen Quellen. wozu inan später gelangte זמן בה״מ und מקום בה״מ (Sabbat 116B) — ist ein Zeichen von der festen Position, weiche die Targumwerke damals bereits errungen hatten. Um die Lehrvorträge auf die Dauer zu sichern, musste zu dem Radicalmittel der vollständigen Zerstörung der aramäischen Targuni-Litteratur gesellri tten worde n. Dieser gewaltsame Eingriff RSbG’s dessen Bedeutung die Mischna durch zwiefache Erwähnung anerkennt, bekundet zweifelsohne das Vorhandensein eines reichen aramäischen Schriftthums, das um jene Epoche klassisches An sehe n bereits gewonnen hatte, und das unbedingt aus dem ersten Jahrhundert stammen muss. Zu diesem Schriftthum gehören die dem Jonathan und dem Onkelos zugeschriebenen. Werke. IV. Dasjenige Targum, das zu dem Vor trage in den Sy 11agogen in der eben geschilderten Weise benutzt wurde, war nach, der talmudi sehen Tradition (Megilla 3 a) das aramaische Propheten-Targum des Jonathan ben Ussiel. Seine Entstehungszeit ist zwischen 10 und 30 der christlichen Zeitrechnung anzusetzen, da. das Werk ohne Approbation der leitenden Persönlichkeiten unter eigener Autorität des Verfassers entstanden, ist. Das weist auf die Zeit der "Wirksamkeit Simon's, des Sohnes HillePs, hin, von dem weder die Geschichte noch die Litteratur ein Andenken bewahrt hat, und während dessen schwacher Führung ein solches Werk seihstständig i.1vs Leben treten konnte. Es sprechen manche Anzeichen deutlich dafür, dass die Entstehung des Jonafhan-Targums in den Beginn eben dieser Zeitperiode zu versetzen sei. Von einem gewissen Chan an ja ben Chiskia wird berichtet (Sabbat 14B), dass er in Verbindung mit einem grösseren Kreise von Gelehrten sich damit beschäftigt habe, anst-össige Stellen des Buches Ezechiel, das die Rabbinen deshalb zu unterdrücken beabsichtigten, zu erläutern, ferner, dass die Fastenrolle (Megillath Thaanith) durch ihn gesammelt, und endlich, dass in seiner Behausung ein Sieg der Schammaiten über die Hilleliten constatirt worden sei. Kur unter dem schwächlichen Regiment eines Simon konnten die Anhänger HillePs überstimmt und die Megillath Thaanith ohne off.icielle Anerkennung durch das Synhedrium abgefasst werden. Denn R’ Gamliel I, der um’s Jahr 30 das Patriarchat an trat, war, wie wir anderweitig genau wissen, stark genug,