Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Targumim nach talmmlischen Quellen, 243 Aus dem Original des Propheten hat offenbar eine Voriesung überhaupt nicht stattgefunden, dafür trat eben der Vortrag aus dem schriftlichen Targum des Jonathan ein. Gegen ]andessprachliche Vorträge in den Synagogen sind Bedenken nie aufgetaucht, und noch die Mischna (Sota 32 a) gestattet die Liturgie in der Volkssprache mit wenigen wohlbegründeten Ausnahmen. Das Buch Esther durfte aus einem vorliegenden hebräischen Texte nicht auswendig übersetzt werden, dagegen war es ausdrücklich erlaubt, ,schriftlich abgefasste Targumim zur Vorlesung zu bringen (Megilla 17a, Mischna). Einwendungen gegen eine Vorlesung in den Synagogen aus dem Jonathan- Targum dürften also nicht erhoben worden sein. Dieser Vortrag aus der Targumrolle hatte bedeutende Dimensionen angenommen. Denn da der Vortragende an einen Text nicht gebunden war, konnte er die Vorlesung nach Willkühr ausdehnen und daran Betrachtungen aller Art knüpfen, kurz die Targum-Vorlesung zu einem vollständigen Erbauungs- Vortrage gestalten. Diese Vorträge fesselten die Hörerschaft in angenehmer Weise. Sie hatten aber den Nachtheil, die ganze verfügbare Zeit am Sabbat in Anspruch zu nehmen, so dass für eine Belehrung aus der Halacha weder Zeit noch Neigung verblieb. Diese halachiscke Belehrung aber erschien den späteren Rabbinen mit vollem Recht für so wichtig und unentbehrlich, dass man, um sie vor Allem sicher zu stellen, jene Erbauungsvorträge durchaus beseitigte und die Benutzung der schriftlich äbgefassten Targumim verbot. בטול בית המדרש ist der Beweggrund der von RSbG gegen die selbstständige Verwendung des aramäischen Targums getroffenen Maassnahmen. Dieses Motiv wird auch als bekannt vorausgesetzt von dem Midrasch, der Japhets schöne Sprache in Sem’s Zelten weilen lässt, und damit nur die dem Griechischen zugebilligte Ausnahmestellung rechtfertigt (Abschnitt II). Thatsächlich sind die letzteren XJebersetzungen wahrscheinlich besonders desshalb unbehelligt geblieben, weil sie im Wirkungskreise des t(Sb& nicht in Gebrauch standen und demgemäss die Belehrung nicht hinderten. Erst nach Beseitigung der targumischen Schriftwerke entstand die Einrichtung, einen kurzen Abschnitt aus den hebräischen Texte der Propheten vorzulesen und ihn in die Landessprache auswendig übertragen zu lassen. בטול בית המדרש hat zur Verdrängung der aramäischen Targumim geführt. Dass sich RSbG nicht damit begnügte, ihre Verwendung temporär oder örtlich einzuschräiiken — 16*