Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Erklärung schwieriger Talmud-Stellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beiträge zur Erklärung schwieriger Talmud-Stellen. 201 stalt wie die Yersion des Jer. gehabt; danach hätte man מפני ה׳ דברים in ד דברים, geändert, die Worte משום לא תכלה im Anfang kühn gestrichen, gegen Schluss jedoch, sei es aus Yersehen, sei es aus Absicht, stehen gelassen. Alledem gegenüber glauben wir einen anderen Weg einschlagen zu müssen. Prägen wir zuvörderst, um den Aus- Spruch E. Simeons richtig zu verstehen, wie K. Simeon eigentlich das Gebot auffasst, ob er es im buchstäblichen Sinne verstanden hat oder nicht. Folgt man der ersteren Annahme, so kann לא תכלה durchaus nicht als Grund gelten, selbst wenn man, wie im Siphra אמרו im Eingänge liest, weil es dann völlig undenkbar wäre, dass E. Simeon zunächst drei allgemeine Gründe angegeben und dann noch hinterher als vierten Grund das Gebot der Thora angeführt hätte, anstatt, wie es doch allein richtig gewesen wäre, seine drei sonstigen Gründe unter das Gebot der Thora zu subsummirend). Es ist demnach mit ISTothwendigkeit zuzugeben, dass E. Simeon das Gebot der hl. Schrift nicht wörtlich aufgefasst habe, und dass nach seiner Ansicht אה בסוף& nur als eine rabbinische Anordnung zu gelten habe. Was bedeutet aber dann מפני שאמרה תורה לא תכלה, da das doch nun in keiner Weise buchstäblich gemeint sein könnte? Darauf giebt es nur eine Antwort: E. Simeon meint nämlich, dass es, um auch dem Wortlaut der Thora nachzukommen, jedenfalls am geeignetsten sei, die פאה von den Ecken des Feldes zurückzulassen. Um nun zum endgültigen Yerständniss unserer Tossiftastelle zu gelangen, dürfte es gerathen sein, eine andere Stelle der Tossifta herbeizuziehen, die vielleicht geeignet ist, auf unsere Stelle ein neues Licht zu werfen. In der Mischna Gittin y, 1 wird die Haiacha חניוקין שמין להם בעידית unter denjenigen Bestimmungen aufgezählt, welche מפני תקון העולם eingeführt sind. An die Frage, welche dabei in Babli aufgeworfen wird, דאורייתא היא דכתיב מיטב שדהו ומיטב כרמו ישלם, knüpft sich eine sehr lange Discussion über die Bedeutung der Schrift- *) Graetz, Gesck. Bd. IV, Note 36, meint freilich, im vierten Grande läge eine dogmatische Tendenz. ״Neben den rationalistischen Ursachen sei das ein zureichender Grand, dass die Thora es einmal so bestimmt hat.“ Allein bei dieser Auffassung hebt eigentlich das Ende den Anfang auf, und wir zweifeln überhaupt, ob man berechtigt sei, hier eine dogmatische Tendenz zu suchen.