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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 4 · p. Seite 166

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 4
Article
Das allmähliche Überhandnehmen der matres lectionis im Bibeltexte
Date
1894-01-01
Page
Seite 166 (sequence 10)
Language
German
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166 ITeberhandnehmen der inatres lectionis im Bibeltexte. Die Bestimmungen des Talmuds aber, aus denen Maimonides, bei dem wir dieses Yerbot zuerst finden, eben dieses herleitete, konnte eine Ueberwucherung des Textes mit Vocalbuckstaben nicht verhindern, im Gegentheil nur befördern, weil sie eine Erklärung zulassen, nach der das Pieneschreiben defeetiv sein sollender WÖrter überhaupt kein Fehler ist, und, wenn entdeckt, nicht einmal corrigirt zu werden braucht, wodurch ein mit solchen Fehlern behaftetes Exemplar gar nicht einmal der Bestimmung von ספר שאינו מוגה אסור להשהותו וכר unterliegen kann. Man könnte allerdings auf eine andere Talmud stelle hinweisen, die einen Anhalt für dieses Yerbot zu bieten scheint, in Menachoth 32b heisst es: א״ר יהודה אמר שמואל כתבה אגרת פסולה, das heisst: Wenn man die Mesusa nach Art eines Briefes geschrieben, so ist sie unbrauchbar. W orin aber die Schreibart eines Briefes besteht, erfahren wir vonßaschi z. St., der zu כתבה אגרת bemerkt: ,,Ohne Linien und ohne genaue Achtung auf die Plena und Defectiva, wie es beim Briefe gewöhnlich zu sein pflegt“. Und da nun nach einer Mischna (Megilla 8 b) die Schreibgesetze für die ganze Bibel dieselben sind, wie die für die Mesusa — mit einer einzigen daselbst erwähnten Ausnahme — so müsste die obige Be- Stimmung auch für die ganze Bibel gelten. Dieser mögliche Einwand ist aber nicht stichhaltig, aus dem einfachen Grunde, weil es keinen Beleg dafür giebt, dass zu den damaligen Eigenthümlichkeiten der Briefschreibung die absichtliche Nichtbeachtung der correcten Schreibung der Plena und Defectiva gehörte. Baschi scheint vielmehr die Gepflogenheiten seiner Zeit, bei Briefen es nicht genau mit der Orthographie (d. Plena und Defectiva) zu nehmen, auf die Zeit des Talmuds übertragen zu haben, ohne dafür Belege aus jener Zeit zu besitzen. Was aus dem Talmud zur Charakteristik der damaligen äusseren Gestalt des Briefes bekannt ist, ist dies, dass die einzelnen Blätter desselben mit aus Flachs und nicht aus Sehnen bereiteten Fäden zusammengenäht wurden1), ferner dass die Columnen jedes einzelnen Blattes sehr schmal waren־), א״ר חמא בר גוריא אמר רב מגילה נקראת :1) ln Megilla 19a heisst es טפר ונקראת איגרת, נקראת ספר שאם תפרה בחומי פשתן פסולה, ונקראת איגרת שאם הטיל בה שלשה חרט* גידין כשרה. ת״ר עושה אדם יריעה מבת שלש דפץ :2) Im Menachoth 30a lesen wir ועד כת שמנה דפין פחות מיכן ויתר ע״ב לא יעשה ולא ירבה בדפין מפני שנראה א נ ר ה.

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