Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das allmähliche Überhandnehmen der matres lectionis im Bibeltexte
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 Ueberhandnelnnen der matres lectionis im Bibeltexte von einem solchen Verbote nirgends die Rede, auch da nicht, wo der Verfasser von den Schreibegesetzen der Esther-Rolle1) und von der Mesusa2) spricht. Aber selbst in den eigens für die Copisten der heiligen Bücher verfassten Vorschriften-Sammlungen, die denselben bei der Ausübung ihres Berufes als Leitfaden dienen sollten, wo wir ein so einschneidendes, beim Schreiben fast eines jeden Wortes in Betracht kommendes Verbot mit Recht doch erwarten dürfen, — falls ein solches existiert haben sollte, — selbst in diesen Sammlungen finden wir es nicht. Wir meinen nämlich die ,,kleinen Tractate“: Sopherim (Bestimmungen für die Schreiber3), Sepher Thora (ebenfalls über das Schreiben der heil. Bücher), Mesusa' (vgl. Deut. 6,9. 11,20.) und Tephillin (über die ״Denkzettel“4), deren Abfassung gleichfalls in die geonäische Periode fällt 5), und die auch nicht eine Andeutung von einem solchen Verbote enthalten. 0 Scheilthoth Ko. 66, 3 (zur Perikope Wajjakhel) S. 21b der Ed. Dvhrenfurth 1786. 2) ibid. Ko. 145 (zu Ekebh) S. 42b. 3) Dieser 21 Capitel zählende Tractat enthält neben den Schreiberegeln auch mehrere massorethische Bemerkungen undZusammenstellungen — die ja für den Copisten der heil. Sehr, ebenfalls von Nutzen sind — sowie eine Gebet- und Thora-Yorlesungs-Ordnung an Sabbatlien, Pest- und Fasttagen. Eine genaue Gruppierung der einzelnen Capitel und Halachoth nach diesen drei Rubriken — Schreiberegeln, Massora und Synagogenritus — findet man bei Zunz, Gottesdienstl. Vorträge. 2. Aufl.. Frankf. a,/M., 1892, S, 100 Note a. Der Karne ״Sopherim‘‘ mag aber vielleicht daher rühren, dass man damals nicht nur den Schreiber, sondern auch den Thora-Vorleser und Vorbeter סופר nannte; oder vielleicht pflegten diese Berufe in einer Person vereinigt zu sein (?). D Die drei zuletzt genannten kl. Tractate sind mit noch anderen vier von Raphael Kirchheim u. d. T.: ״Septem libri Talmudici parvi Hierosolymitani“, zuerst in Frankf. a./M. 1851 herausgegeben worden, und sind auch in der Wilnaer Talmudausgabe abgedruckt. 5) Schon R. Ascher b. Jechiel (st. 1327) erklärt (in seinem Commentar zu den Halachoth Ketannoth des Alpbasi, Hil. Sepher Thora, [ed. Wien 1804] Seite 65 a, Sehlagw. פרשה פתוחה am Ende), dass מם' סופדים in der nachtalinudischen Zeit verfasst worden sei. Er sagt da nämlich: .כי מסבת סופדים יכתחבד בדורות אחרונים, ולא ד,ודד, מרבדיו בתלמוד (durch die L. A. ,ד,ורד ist die Widerlegung des יד מלאכי (Berlin 1857 S. 121 d), der die L. A. הובא vor sich hatte, gegenstandslos.) Auch Asaria de Rossi (angeführt im יד מלאכי das.) setzt die Abfassung von Soplierim in die nachtalmudische Zeit. Asulai, Sehern ha-Gedolim II, Art. גרים (ed. Ben-Jacob, Wilna 1852, S. 25b) deutet dies bereits von allen ,,kl. Tractaten“ an Zunz, a. a. 0. S. 90 der ersten u. S. 94 der 2. Ausg. schickt sich zwar an, den Tractat ״ICallah“ und ״Sernachoth“, die ebenfalls zu den