Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Eleasar ben R. Simeon al römischer Befehlshaber
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Die Bedeutung von עריות. gehende Kühnheit im Tadel gegen verehrte Personen der Bibel in b. Sanhedrin 94 a. zurück, wo ß. Papias sagt, dass es eine Schande für Chiskijah und seine Leute sei, dass sie kein Danklied anstimmten, bis ihnen die Erde darin zuvorkam und dass es zweitens eine Schande für Moses und die Israeliten sei, dass sie Gott nicht priesen, bis Jithro kam und es that1); er weist diese Verunglimpfung der Ahnen aus dem Grunde zurück, weil kein Wort des Textes dieselbe berichtet. Obgleich anzunehmen ist, dass auch E. Meir sich ß. Akiba anschloss, — wodurch sich ßabbi, der ßedactor der Mischna, veranlasst fühlte, seine Ansicht der ß. Ismaels ■gegenüber als Norm hinzustellen, — so drang in der Praxis, wie j. Chagiga II, 1 berichtet, dennoch die Meinung B. Ismaels durch, und wir sehen viele Tannaiten, wie z. B. den schon zwei Mal genannten ß. Simon b״ Eleasar in Sabbat 55 b. und Megilla 25 b. die עריות zur Ehrenrettung der Ahnen umdeuten; und Hieronymus 2) berichtet nur, tertius propheta principia et finem tantis habet obscuritatibus involuta, ut apud Hebraeos istae partes cum exordio Geneseos ante triginta annos non legantur 3), von dem Verbote אין דורשין במעשה בראשית ובמרכבה, doch nichts von אין דורשין בעריות, weil dieses die vereinzelte Ansicht ß. Akibas war, die schon deshalb keine Geltung erlangen konnte, weil die Aufmerksamkeit des Volkes durch das auffallende Weglassen der allsabbathlichen üebersetzung des verlesenen Abschnittes noch mehr auf die verunglimpfenden Steilen der Bibel gelenkt wurde. Da nun in der Praxis die Ansicht ß. Ismaels befolgt wurde, war es den Amoräern unbegreiflich, wie es untersagt w7erden konnte, manche Bibelab״ schnitte öffentlich zu übersetzen und zu erklären. Die Folge hievon war, dass man die Mischna E. Akibas, die ursprünglieh alle Stellen, die über die unzüchtigen Handlungen der Ahnen berichteten, aufgezählt enthielt, änderte und ein fortwährendes Schwanken zwischen נקרא ומיתרגם und נקרא ולא מיתרגם Platz griff4); schliesslich gestattete man die Heber- Setzung aller dieser Stellen mit Ausnahme von Genesis XXXV, 22. Fassen wir zum Schlüsse die Ergebnisse unserer Untersuchungen zusammen, so sehen wir 1. die Bedeutung von עריות in Chagiga II, 1 (vielleicht auch I, 10) und Megilla IV, 10 fest- 1) Siehe Bacher, Agada der Tannaiten I, 327. 2) Epistola ad Paulinum. 3) Vgl. Graetz, Gnosticismus, p. 14. 4) Vgl. die Tosefta Megilla IV u. die Baraithas in b. Megilla 25 b.