Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 4 · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 4
Article
R. Eleasar ben R. Simeon al römischer Befehlshaber
Date
1894-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829654-2829659-2878152--25445-2878175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

148 Die Bedeutung von עריות• das Eine mit Gewissheit zu entnehmen, dass B. Ismael in der Deutung und Uehersetzung des Yerses Leviticus XYIII, 21 nicht nur seine eigene Auffassung änssert, sondern eine Halacha wiedergiebt, die in den letzten Jahren des Tempelbestandes zur vollen Geltung gelangt und das antinationale Streben niederzuhalten berufen war. Der Kampf gegen die antinationale Strömung hatte es wahrscheinlich zur Eolge, dass man sich mit den Abschnitten über die unzüchtigen Vergehungen der Ahnen nicht befasste, und hieraus lässt sich die auffallende Thatsache erklären, dass B. Jochanan b. Sakkai, der sich mit dem ersten Capitel der Genesis und des Buches Ezechiel eingehend beschäftigt, sich niemals über die עליות änssert. Erst seine Schüler 1), ß. Elieser und ß. Josua, fühlen sich durch die Angriffe von Aussen dazu veranlasst, die betreffenden Stellen zu deuten. Was ß. Ismael betrifft, der uns nicht nur in dieser auffallenden Deutung von Leviticus XYIII, 21, sondern auch sonst als Vertreter der alten Halacha bekannt ist, dürfte von ihm die Anlehnung des in den achtzehn Bestimmungen vorkommenden Verbotes über den Beischlaf mit Mchtjüdinnen an Leviticus XVIII, 21 herrühren. Diese Anlehnung fand solchen Anklang, dass ihr, wie dem Verbote selbst, allgemeine Anerkennung zu Theil wurde und sie auch in die für das Volk bestimmten Targume aufgenommen ward. Die Mischna Megilla IV, 10, die diese TJebersetzung des Verses missbilligt, kann daher unmöglich B. Ismael zum Autor haben, der doch wahrscheinlich ihr Urheber ist. Demnach müssen die beiden Mischnastellen, sowohl המכנה בעליות, die mit der eben genannten Uebersetzung in innigem Zusammenhänge steht, und auch die ßeihe der darauf folgenden und ebenfalls zu dem Voraufgehenden gehörigen נקלאין ולא מיתלגמין, als auch אין דולשין בעליות, die die erläuternden Vorträge über die verunglimpfenden Stellen der Bibel im Lehrhause untersagt, einem anderen Tannaiten als ß. Ismael angehören. Es ist nicht schwer, den Gegner B. Ismaels in dieser Controverse zu errathen; es ist ß. Akiba, den auch ein Amoräer in j. Chagiga II, 77a. ausdrücklich als denjenigen bezeichnet, der die offentliehen Vorträge über עליות gestattet. Anfangs, als ein Einschreiten betreffs der die Ahnen verunglimpfenden Bibelstellen 1) Dass K. Elieser b. Jacob Genesis XLIX, 4 in Genes, r. cap. XCYIII neben R. Elieser und R. Josua deutet, ist dadurch zu erklären, dass wir annehmen, dass er die Zeit der gnostischen Angriffe noch erlebte, oder dass in diesem Ausspruche der spätere R. Elieser b. Jacob gemeint ist; vgl. Bacher, Agada der Tannaiten I, 71, Note 5.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.