Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Ordination
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Ordination. 125 Die bereits citirte Quelle weiss noch von einer letzten Reform der Ordination zu erzählen. Dem Patriarchen wurde das ausschliessliehe Recht der Gelehrtenweihe entzogen; die Ordination sollte nur dann Geltung haben, wenn sie der Patriarch auf Grund eines CollegialbeSchlusses des Gerichts■־ hofes ertheiite (ושלא יהא הנשיא ממנה״אלא מדעת בית דין). Nach Gr ätz (a. a. 0.) fand diese Reform unter Jehuda II. statt und wäre die Polge des Missbrauches gewesen, wmlche sich dieser Patriarch mit der Ordination Unwürdiger zu Schulden kommen gelassen hatte. Aus derselben Zeit nun hat sich in der versteckten Form einer agadischen Schriftdeutung eine bisher unbeachtet gebliebene Angabe erhalten, welche unsere Kenntniss von den Formalitäten der Ordination wesentlich bereichert Eleasar b. Pedath, der aus Babylonien nach Palästina kam, wurde dort aller Ehren der palästinensischen Schriftgelehrten theilhaftig. Er wurde ordinirt, und man zog ihn zu der Be- Stimmung des Festkalenders heran. Auf diese beiden, den babylonischen Gelehrten versagten Ehren, sowie auf das Glück, im heiligen Lande zu wohnen, wendete Eleasar in geistreicher Deutung den Vers in Jecheskel an (13, 9), der den falschen Propheten in Babylonien die Entziehung der Theilnahme an der beglückenden Gemeinschaft Israels androht: ״In dem geheimen Rathe meines Volkes sollen sie nicht sein“, das ist der zur Bestimmung des Festkalenders gehaltene Rath (פול העיבור), ,,und in die Schrift (das Buch) des Hauses Israels sollen sie nicht eingeschrieben werden“, das ist die Ordination, ,,und in das Land Israel sollen sie nicht kommen“, sie sollen nicht in Palästina wohnen. Eleasar sagte nachher, als ihm successive die Theilnahme an den genannten drei Vorzügen gewährt wurde, er habe den im angeführten Prophetenspruche angedeuteten dreifachen Fluch nach einander von seiner Seele weichen gefühlt Dies alles lesen wir sowohl im palästinensische]! (R. Haschana 58b, vgl. Sanh. 18c), als im babylonischen Talmud (Kethuboth 112a)1). Sowie nun der erste Theil der Deutung auf der speciellen Bedeutung des Wortes *TD beruht, welche Eleasar mit dem alten Terminus סוד לעבוד in Zusammenhang bringt, so muss auch im zweiten Theile angenommen werden, dass in dem Ausdruck כתב בית ישראל die Berechtigung und die concrete Grundlage der Beziehung des Satzes auf die 1l Auch Mer zeigt sich der Unterschied des beiderseitigen Sprachgebrauchs. im pal. Talmud heisst es: ,ובכתב בית ישראל לא יכתבו זד המינוי, im babyl. Talmud: זה סמיכה. Ebenso in dem Berichte über Eleasars Aeusserung hier: כד מכוני אמרית, dort: כי סמכוהו אמר.