Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das allmähliche Überhandnehmen der matres lectionis im Bibeltexte
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 Ueberhandnehmen der rnatres lectionis im Bibeltexte. gefunden. Während aber die erstere Art von Varianten nur in verschwindend geringer Anzahl sich findet, ist die Zahl der letztereu ganz erheblich. Eine Beobachtung, die bereits von ß. Ohajim Benveniste aus Smyrna (st. 1673) gemacht wurde. In seinen methodologischen Regeln zum Talmud sagt dieser nämlich: ״Wir finden, dass in der Gemara von manchem Worte ausgesagt wird, dass es defectiv geschrieben sei, während dasselbe in unseren Exemplaren plene ist 1)“. Das Gegentheil aber, nämlich, dass im Talmud Wörter als plene bezeichnet werden, die in unseren Codd. defectiv sind, verzeichnet Ben־ veniste nicht. Dass die äussere Gestalt des Bibeltextes nach dieser Richtung hin, in Ansehung des Gebrauchs der Buchst. אהר׳י nämlieh, grosse Wandlungen durchgemacht hat, steht nach den Besultaten der neuesten Forschungen auf diesem Gebiete ganz ausser Frage. Nach diesen sind die rnatres lectionis erst nach und nach in den Bibeltext ein gedrungen, während sie ursprünglich nur sehr spärlich zur Anwendung kamen2). Ja, Lagarde stellte sogar die Behauptung auf, dass das Bibelexemplar, aus dem die LXX übersetzten, gar keine rnatres lectionis hatte3). Und wenn er auch mit dieser Ansicht vereinzelt dasteht, so wird doch zugegeben, dass zwischen dem der LXX zu Grunde gelegenen Text und dem unsrigen in Bezug auf die Lesenlütter ein gradueller — wenn auch kein principieller — Unterschied entschieden vorhanden gewesen sei. Dafür sprechen die ״unzähligena V arianten in diesem Punkte4), welche die Vergleichung der Septuaginta liefert, von welchen hier nur eine als Beispiel angeführt werden möge: ערלים (Hiob 19, 18) übersetzten die lxx a1<ov — עולם. 1J Dieser Aasspruch findet sich in seinem Werke Keneseth haggedola, Orach Chajim. Livorno, 1658, S. 160b (No. 147) und lautet: מצעו בגמרא שאומר על מלה פלונית חסר כתיב ובספר תורד. כתוב מלא. 2) Man vgl. Ewald, Ausfuhr!. Lehrbuch d. hebr. Spr., 8. Ausg., S. 48—54; Ilupfeld, im 1. Hefte (nicht mehr erschienen) seiner hebr. Grammatik, Kassel, 1841, S. 53—62; Olshausen, Lehrbuch d. hebr. Sprache, Braunschweig 1861, §§ 31, 38, 39; namentlich aber Wellhausen, Text der Bücher Samuelis, Göttingen 1871 S. IV—־VII und 16—20, so* wie in der von ihm herausgegebenen 5. Aufi. der Bleek’schen Einl. in d. A. T.f‘ (Berlin 1886), S. 583 ff.; Nöldeke in der Zeitsehr. für wissenschaftliche Theologie, Jahrg. XVI (1873), S. 120. — 3) In seinen ״Anmerkungen zur griechischen Uebersetzung der Proverbien“. Lpz. 1863, S. 4. D Wellhausen an den angezeigten Stellen; Buhl, ״Text und Canon d. A. T. Lpz. 1891 S. 212; Chwolson in den Arbeiten des St. Petersburger Orientalisten-Congresses, 1876, Bd. II, Seite 478.