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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 3 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 3
Article
Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
Date
1893-01-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag־ seines Todes. 107 diesen war der alte Usus sogar bis auf die Art der Beibringung der Schlachtwerkzeuge massgebend; aber auf den anderen bedenkiicheren Theil wirkte Hillels Spruch zum Anschluss an denselben. So ־war Hillels Entscheidung nur ein Sieg der Versöhnlichkeit und der Ausgleichung, ein Ziel, welches dem sanften Manne auch bei seinen Deutungsregeln sicherlich vor sch webte, als er auf dem gemeinsam für heilig erkannten Boden der Schrift die Tradition begründete. Für den Kundigen lösen sich auf diese Weise alle Hauptschwierigkeiten in den Berichten des Talmuds über diesen Vorgang. Freilich werden dadurch manche Fäden in dem feinen Gewebe zerrissen, welches Herr Chwolson zur Erklärung der Evangelien so kunstvoll gesponnen hat. Vielleicht dürfte es aber der tiefen Sachkenntnis des gelehrten Herrn Verfassers gelingen, die Fäden wieder aufzunehmen, sie anders zu legen und so zum Ziele zu gelangen, zumal derselbe mit dem Wege sehr vertraut ist, den er mit Recht als den einzig richtigen bezeichnet, das ist mit der genauen quellenmässigen Kenntniss des geistigen und religiösen Lehens der Juden, zu deren Zeit und in deren Mitte die Evangelien entstanden sind. Ich bin mit der Kritik der Evangelien und ihren Commentaren zu wenigvertraut, um in der uns vorliegenden Frage entscheiden zu dürfen; aber ein Vorschlag dürfte mir doch gestattet sein. Wenn die Evangelien, wie Herr Chwolson sagt, eine Ablagerung verschiedener Schichten bilden, welche verschiedenen Zeiten angehören, und wenn das Evangelium Joh., wie gleichfalls Herr Chwolson sagt, vor den. anderen eine Priorität hat, so könnte man eine Erklärung der Wider- Sprüche und des Anachronismus vielleicht darin finden, dass man unter dem cewmov des Joh. überhaupt kein Passah, sondern ein einfaches Mahl verstehe, und zwar das letzte Liebesmahl, welches Jesus mit seinen Jüngern gemeinschaftlich eingenommen hat. Bei der Nähe, in welcher dieses Evangelium nach der Meinung des Herrn Chwolson zu den ron ihm heschriebenen Ereignissen gestanden haben soll, erscheint es doch eigentümlich, dass dieses Mahl dort niemals als das Passah bezeichnet wird. Durch die Nähe dieses letzten Liebesmahles, welches Jesus vor seiner Hinrichtung mit seinen Jüngern eingenommen, zu dem jüdischen Passah konnten die Späteren zu einer Identificirung derselben verleitet worden sein. Dieser Irrtum mit seinen anachronistischen Consequenzen wäre demnach das Product einer solchen späteren Ablagerung bei den Synoptikern. Ich trage dies nur als einen

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