Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
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106 Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes. mit Bezug auf die Circumcision gegen die nothwendige und ganz natürliche Erklärung ביום אפילו כשבת je in Opposition waren, ebenso wenig konnten gerade sie aus irgend einem Grunde gegen den ,Wortlaut der Schrift für eine Verlegung des Passahs vom 14. auf einen vorhergehenden Tag stimmen. Das spätere Gebilde der Karäer beweist gar nichts für die alten Sadducäer. Gerade den Priestern musste es mehr als allen Anderen am Herzen liegen, dass das Ansehen und die Bedeutung des Opfers im Tempel, von welcher Art dies immer sei, für hoch und heilig gehalten wurde. Geigers Lehren von deren antidemokratischem Princip sind hier gewiss nicht stichhaltig. Wann und wo waren die Priester so undemokratisch, dass sie es nicht gern gesehen hätten, wenn das Volk in vollen Schaaren sich zu den Opfern und zu den Höfen der Tempel drängte! Ich denke mir daher das Verhältniss in folgender Weise: In priesterlichen Kreisen war seit alter Zeit die Meinung und Uebung herrschend, dass das Passah auch am Sabbath geopfert werde. Nicht in diesen Kreisen, sondern in denen des Yolkes, nachdem die Heiligkeit des Sabbaths tiefer bei ihnen eilige•־ drungen war, und in denen der pharisäischen Schriftgelehrten entstanden die Bedenken gegen die Entweihung des Sabbaths durch das Passah, welche Yiele von der Darbringung des Passah am Sabbath abhielten. Dagegen konnten die sadducäischen Priester, deren Einfluss auf das Yolk im Schwinden war *), nichts thun. Yielleicht hat eine längere Zeit die Pest- Stellung des Kalenders im Interesse einer allgemeinen und regeren Betheiligung des Yolkes am Opfer darauf Rücksicht genommen, dass der 14. Nissan nicht auf einen Sabbath fallen sollte. Beispiele für eine solche dem Synhedrium zuerkannte Machtbefügniss und auch einen entsprechenden Gebrauch derselben bringt Herr Chwolson selbst p. 45 ff. Dadurch konnte einige Zeit der Zwiespalt vermieden werden. Als aber aus irgend einem Grunde, sei es aus Versehen oder Absicht, der 14. Nissan dennoch auf einen Sabbath fiel, da wurde die Präge nicht von den Priestern, sondern von den pharisäischen Schriftgelehrten vor Hillel gebracht, welcher alsdann durch Deutung und Berufung auf Schema!a und Abtalion die Frage im Sinne der im Tempel und bei den Priestern waltenden Ueberlieferung und zu Gunsten derselben seine Entscheidung traf. Für einen Theil des Yolkes war diese Entscheidung nicht erst nöthig. Für ג) Josephus Anth. XIII, 10, 5 u. 6.