Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes. schlechtem erfüllt. Dass dies im Kreise der Halachisten des zweiten Tempels anders gewesen sein sollte, eine solche Behauptung bedürfte jedenfalls einer weiteren und eingehenderen Begründung. Doch diese Bemerkung ist für das uns vorliegende von ganz untergeordneter Bedeutung, da wir es ja hier nicht mit einer Begel, sondern eben mit einem Einzelfall zu thun haben, und zwar mit dem einer Collision der Gebote für den Sabbath und das Passah. Herr Chwolson hat die Schwierigkeiten in den über jenen Vorgang Hilleis tradirten Berichten gründlich und klar aufgedeckt. Seine Bedenken gegen die rolle Authentie der Texte sind unwiderlegbar. Die spätere Ueberarbeitung und Interpolirung der ursprünglichen Quelle ist nach der scharfsinnigen Kritik, welche Herr Chwolson an jenen Berichten übt, für Jeden offenbar. Unbeschadet dessen aber ist das Wesentliche in jenen Berichten nichtsdestoweniger als historisch richtig anzuerkennen, zumal dasselbe gelegentlich noch von einer anderen Quelle bestätigt wird. Dieselbe wird Pesachim b. 70b mitgetheilt: ,,Juda b. Dorotheus hat sich mit seinem Sohne Dorotheus von den Weisen getrennt und ist nach dem Süden gezogen.“ ,,Wenn Elias ,u so sprach er, ,,einst kommen und Israel fragen wird: ,,warum habt ihr das Chagigaopfer nicht auch am Sabbath dargebracht?“ was wollen sie ihm darauf antworten? ״Ich wandere mich,“ so fuhr er fort, ״über die zwei Grossen der Zeit, Schemaja und Abtalion, die doch grosse Weise und grosse Schriftdeuter sind, dass sie Israel nicht belehrt haben, dass auch das Chagigaopfer den Sabbath verdränge1).“ Dieser Bericht hat nichts Legendenartiges und Tendenziöses und macht sicherlich auf jeden Unbefangenen den Eindruck der schlichten historischen W ahrheit. In diesem Berichte liegt aber zugleich eine indirecte Bestätigung dafür, dass der Hauptsatz פסח דוחה שבת nicht als eine Neuerung Hillels, sondern vielmehr als v 011 S c h e m aj a u n d Ab t al i 0 n herstammend anzusehen sei. Daraus ersehen wir aber zugleich, dass es Kreise im Volke gab, in denen die Strömung noch über Hillel hinaus drängte, dass nämlich das Sabbathgebot nicht allein vor dem Passah-, sondern auch vor dem Chagigaopfer zurücktreten müsse. Denn Juda und sein Sohn Dorotheus waren sicherlich nicht die einzigen, welche diese תניא יהודה בן דודחאי פירש הוא ודורתאי בכו והלך וישב לו בדרום ,אמר (ג אם יבא אליהו ויאמר להם לישראל ,מפני מה לא חגגתם הגיגה בשבח ,מה הן אומרין לו ,תמהני על שני גדולי הדור שמעיה ואבטליון שהן חכמים גדולים ודרשנים גדולים ולא אמרו להן לישראל חגיגה דוחה את השבת.