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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 3 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 3
Article
Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
Date
1893-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes. 103 schiedenheit gewaltet hätte, und das vollständige Stillschweigen über einen solchen in die Praxis tief eingreifenden Gegensatz beweist durchaus das Nicht- Vorhandensein eines solchen. Herr Chwolson findet aber den Beleg für einen solchen in der in den beiden Talmuden mit einiger Variation tradirten Nachricht über die Neuerung Hillels in seinem Satze פסח דוחה שבת (Pessachim b. 66 a und jer. VI, 1, vgl, auch Tossefta c. 4). Schon Geiger hat in Consequenz seiner Auseinander- Setzung über die Pharisäer und Sadducäer, in denen er eine Art von Gegensatz zwischen Demokratie und priesterlieh er Aristokratie erkannte, auch in diesem Vorgehen Hillels einen Vorstoss gegen den priesterlichen Sadducäisrnus gesehen, einen Kampf für die ’Gleichstellung des heiligsten ’Privatopfers, des Passah, mit dem Tempelopfer. In dem Siege Hillels erblickt Geiger daher ,,einen Sieg der gesammten Volksheiligkeit gegenüber der Exclusivität der Priester, einen Sieg des Pharisäismus über den Sadducäisrnus“ (Jiid. Zeitsch. für Wissensch. und Leben, Jahrgang II, p. 46). Ich kann in diesem Satze Hillels keine Neuerung, sondern eher die Befestigung einer alten, nicht bei den herrschenden Priestern, sondern beim Volke vielfach in’s Schwanken gekommenen Halacha erkennen, und auch nicht einen parteifeindlichen Angriff, sondern eine der milden Natur Hillels mehr entsprechende Versöhnlichkeit. Herr Chwolson steht auf dem Standpunkte Geigers und theilt auch die Meinung dieses und anderer Gelehrten, dass man in alter Zeit in der Beobachtung des Sabbaths viel strenger und enger als später gewesen sei. Ich halte diese Meinung für gar zu wenig begründet. Man beruft sich dabei auf den Fall der Kriegführung am Sabbath, für deren Statthaftigkeit schon Matthatias und später Andere gegen die im Volke herrschende Scheu vor Entweihung des Sabbaths ein treten mussten. Aber ein einzelner Pall macht noch lange keine Kegel. AVer die Entwickelung der Halacha von der Zeit der Geonim bis zu K. Josef Caro und R. Mose Isserles und ־weiter verfolgt, wird wohl finden, dass die Geonim in dem Einen oder Anderen strengere Ansichten hatten, aber deshalb doch keinen Augenblick in der Erkenntniss schwanken, dass die halachischen Bestimmungen für den Sabbath im Laufe der Zeit im Allgemeinen an Menge und Strenge zugenommen haben. Das liegt ja in der Natur einer solchen Entwickelung, die sich auf die Tradition stützt und sich immer mehr mit der sich steigernden Ehrfurcht und Scheu vor den früheren Ge-

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