Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes. Jünger das in den Evangelien erwähnte letzte gemeinsame Mahl an einem Donnerstag eingenommen hätten und dass die Verurtheilung und Kreuzigung Jesu an einem Freitag stattgefunden habe. Dagegen herrscht nach den uns vorliegenden Texten über die Tage des Monats zwischen den Synoptikern und dem Evangelium Johannis nach den Auseinandersetzungen Chwolsons ein unlösbarer Widerspruch. Nach Matth. XXVI, 17 heisst es: ׳r(j 6s: 7zp<avQ xmv a£tS[xcov Tcpoa^Xüov oi |xa׳ö7]Tal xip ’Iyjaoö sprechend, wo willst Du, dass wir Dir vorbereiten, das Passah zu essen?“ Danach musste das Mahl in vorschriftsmässiger Weise am 14. Nissan statt־־ gefunden haben. Noch genauer erscheint in diesem Sinne die Angabe bei Marc. XIV, 12 ox־e xö 7z&oyoc sJoov und bei Luc. XXII, 7 sv fi 8681 ׳üösaffm xö 1zaoya. Im Evang. Joh. XII, 2 wird allerdings nicht ausdrücklich von einem Passah mahl, sondern von einem Ssfrcvov gesprochen; dagegen heisst es bei Joh. XVIII, 28, dass die Priester am darauffolgenden Tage das Prätorium nicht betraten, weil sie sich nicht verunreinigen wollten, aXX’ tva <pcq׳coa1 xö Käsyu. Demnach hätte das letzte Mahl, welches Joh. allerdings nicht ausdrücklich als Passahmahl bezeichnet, am 13. und die Hinrichtung am 14. Nissan stattgefunden. Ghwolson ist nun mit vielen Anderen der Meinung, dass mit den! ostrcvov des Joh. das Passahmahl gemeint sei und dass das Passahopfer in jenem Jahre abweichend von der Bestimmung der Schrift am 13. Nissan dargebracht wurde, der damals auf einen Donnerstag fiel. Der Text des Joh. bietet für diese Annahme keine Schwierigkeit. Der Widerspruch bei den Synoptikern beruhe aber nach Chwolson auf einer falschen Annahme einer Dittographie in dem ursprünglichen Texte von Matth. XXVI, 17, welcher nach Chwolson gelautet hätte: יומא קלמיא דפטידיא קרב וקרבו תלמידוהי לוח ישוע ואמרו. Die in קרב וקרבו sich wiederholende Buchstabengruppe קרבו habe nun zu der irrthümlichen Annahme einer Dittographie geführt und in dem uns vorliegenden griechischen Text die falsche Uebersetzung veranlasst. Die angeführten Stellen bei Marcus und Lucas seien aber auf Grund des bei Matthäus bereits corrumpirten Textes entstanden 1). 1l Vgl. die Bemerkungen Kaufmanns und Chwolsons im vorigen Jahrg. dieser Zeitschrift p. 893 ff und pag. £44 ff., wo Chwolson noch eine andere und, wie mir scheint5 noch gefälligere Lesart des Urtextes vor schlägt.