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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 3 · p. Seite 99

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 3
Article
Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes
Date
1893-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Das letzte Passalimahl Jesu und der Tag seines Todes. 99 Damit wäre der ‘Widerspruch in den Berichten der Synoptiker und des Johr ausgeglichen, aber die Schwierigkeit nicht gehoben. Es entstehen vielmehr bei dieser Annahme nur neue Fragen und Schwierigkeiten. Warum diese Abweichung von der Vorschrift der Thorah? Aus welchem Grunde und mit welchem Rechte hätte Jesus das Passahopfer am 13. darbringen und •essen können, da ja nach dem Wortlaut der Schrift dafür nur der 14. Nissan und der darauf folgende Abend bestimmt wurde? Wie ist aber ferner damit der Berieht des Joh. XVIII, 28 in UebereinStimmung zu bringen, wonach die Priester am Tage der Kreuzigung, das wäre also am 14., das Prätomun nicht betreten wollten, um sich nicht durch Verunreinigung den Genuss des Passahmahles unstatt־ haft zu machen? Diese Fragen beantwortet Chwolson durch ein tieferes Eingehen in die Halacha, indem er die Frage, ,,ob das Passahopfer den Sabbath verdränge“ (פפה דוחה שבת) nach den Quellen und vom Standpunkte der alten Halacha gründlich erörtert. Chwolson zeigt sich hier nicht nur mit der talmudisehen Halacha sehr vertraut, sondern auch als ein Meister der halacliischen Dialektik. Aus der kritischen Beleuchtung des an sich dunklen Berichtes in Pessachim bab. 66 a und jerusch. VI, 1 über die Discussion Hilleis mit den Söhnen (oder den Aeltesten) Bathyras gewinnt er die Ueberzeugung, dass die in der Mischna recipirte Halacha פםח דוחה שבת-; eine Neuerung Hille 1s gewesen sei, und zwar im Widerspruch mit der herrschenden Meinung der Priester, zumal der von den Boethusäern geleiteten. Chwolson ist aber ferner der Meinung, dass diese Neuerung Hüiels zur Zeit sicherlich weder auf das Volk noch auf die Priester einen Eindruck gemacht habe. Denn ״die Priester in Jerusalem waren sicherlich nicht anders als die Priester aller Jahrhunderte: sie gestatteten nicht einem hergelaufenen Laien in ihre Cultusangelegenheiten hineinzureden“. ״Das Volk der Juden aber, welches wie kein Volk der Erde an religiösen Dingen mit ausserordentlicher Zähigkeit und Starrheit festhielt, konnte in Folge eines unverständlichen Geredes und einer Berufung auf Autoritäten von Seiten eines unbekannten, verhassten und verachteten Babyloniers sich nicht ohne Weiteres entschlossen haben, eine Handlung zu vollziehen, die bis dahin für eine vielfache Entweihung des Sabbaths gehalten wurde“. Chwolson weiss zwar nicht, ob dieser Satz Hillels je zur praktischen Anwendung kam; aber das ist ihm unzweifelhaft, dass zur Zeit Christi noch der 7*

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