Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine Blutbeschuldigung um 1654 in Grosspolen und Jakob b. Naftali aus Gnesen als Sendbote zum Papste nach Rom
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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Eine Blntbeschnldigung um lßf>4. 93 brauche clor Juden zu bewegen suchen möge. Der Zeitpunkt dieses Erlasses ist nicht zu spät, als dass wir an eine Wirkung von Jakobs Eeise dabei glauben könnten. Als hundert Jahre später nach dem Falle in Jampoli Efjakim b. Ascher Selig1 * 3) im Jahre 1756 sich aufmachte, um den Papst in Pom zu einem rettenden Worte zu vermögen, brauchte es acht Jahre, bis in Folge des Eintretens der Curie August III. von Polen am 23. März 1763 sich zur Vollziehung des Decretes entschloss, das die Juden in seinen! Reiche gegen solche Beschuldigungen schützen sollte. Aber gar Viele von denen, die in ihrer Seelenangst Jakob b. Naftali nach Rom entsandt hatten, bedurften bei seiner Heimkehr des Schutzes irdischer Mächte überhaupt nicht mehr. Wieder einmal war mit den! Jahre 1655 der Kehrbesen der Verheerung, von dem Jesajas geweissagt, über Polen und diesmal selbst über die Länder, die bisher verschont geblieben waren, hereingebrochen. Es gewährt ein schauerliches Bild, von den Wenigen selbst, die Jakob b, Naftairs Büchlein ihre Approbation geliehen hatten, Manche unter den Opfern der neuen Verfolgung zu finden. Da ist Ephraim b, Joseph, der Rabbiner von Wreschen, der die Märtyrer von 1648 beweint hat, jetzt selber unter den Erschlagenen-), da Selig b. Mose aus Krakau, der Rabbiner von Lobsens, dem das Haupt mit Aexten vom Rumpfe getrennt worden war8). Chan och bei! Abraham, der väterliche Freund Jakob b. Naftalrs, der Rabbiner seiner Heimatsstadt, war flüchtigen Fusscs in die Fremde gewanclerl, bis er in Prag, wohl mit Unterstützung des seiner Familie verwandten Rabbiners Aron Simon Spira, ein schützendes Obdach gefunden hatte, von wo er dann nach Oeffingen im Ries sich wandte, um wieder ein rabbinisches Lehramt zu bekleiden4). In Posen,woher er stammte, war keine Unterkunft für ihn. Sein Vater Abraham hatte hier die Tochter Juda Loeb b. Chanoch’s, genannt R. Löb R. Henochs und seiner Frau Sara5 * *)? geheirathet 1) Ygl. Berliners Magazin, XV (1888), 198. 2) Landshut 11 a. a. 0. X, XII. Im Memorbuche von Posen wird seiner mit den Worten gedacht: ואת נשמת הישיש והזקן ומלא תורד, ותפש 3 — .ישיבות בכמה קהלות קדושות הרב מהור״ר אפרים) Landshuth ib. Xf. 0 N. Sokolow in Mesacks 4 גן פרחיםII, 128 ff und III, 51. Wenn הקדו׳ש והטהור מוהר״ר יהודא ליב הי״ד בן הרב המאור הגדול מוד״ר״ר חיים ר׳ העכביש מפווכן, die Jakob b. Jecheskel Lewi aus Zloczow, der Verfasser von שם יעקב, an die Spitze seiner Ahnenreihe stellt, ein Neffe des Rabbiners Jehnda Löb von Wladimir war, so dürfte die Verwandschaft R. Chanochs mit R. Simeon Spira als sicher gelten. 5) Sein Seelengedächtniss in Posen lautet: ונשמת הגאון האלוף הישיש והותיק מהר״ר יודא ליב בן הר״ר חנוך דל הנקרא ר׳ ליב ר׳ העניכש ונשמת הרבנית שרה בת יצחק ז״ל.