Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine Blutbeschuldigung um 1654 in Grosspolen und Jakob b. Naftali aus Gnesen als Sendbote zum Papste nach Rom
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Blutbeschnldigung um 1654. 91 <11 s Laudschroiber von Grosspolen 1046 verstorbenen Naftali aus Gnesen 1), liiess der Entschlossene, der vor den Fürsten der Kirche, vor dem Papste und seinen• Cardinälen, die Stimme zu erheben wagen wollte ob der Frevel in seinem Heimatlande. Bom selber sollte für die unschuldigen Juden eintreten, die Kirche in Person ihre höchsten Yertreter in Polen zum Schutze der Bedrohten auffordern. Es war kein unbekannter Mann, dem man die schwerste aller Sendungen auftrug. Die Zierden und Spitzen der Kabbiner in Polen, R. Sabbatai Hurwitz, der Sohn des Urhebers der ,,Bundestafeln14, B. Jesaja’s, damals dem Babbinate von Posen vorstehend, Allen voran, bezeugten in freund willigen Approbationen schon in den ersten Jahren 1645 und 1646 dem damals noch in der ersten Jugendblüthe stehenden Jakob b. Naftali, einem Blutsverwandten des gefeierten R. Akiba1 2) von Frankfurt a. M., dass sie die Schriften poetischen und erbauliehen Inhalts, die er ihnen vorgelegt, billigen und durchaus der Veröffentlichung für werth befinden. Aber erst 1652 hatte er einen kleinen Theil unter dem Namen: ,,das Erbe Jakobs, Poesieen“ in Amsterdam in Druck legen können3). Mittlerweile war sein Yater gestorben und beim Brande seiner Heimathsstadt Gnesen mit allem übrigen Besitz auch sein Bücherschatz und darunter Alles, was er geschrieben hatte, ein Raub der Flammen geworden. Es war auch die Zeit für harmlose und selbst erbauliche Poesie vorüber, Trauer und Verzweiflung brütete in den Gemütern, jetzt galt es, Busslieder anzustimmen und in Martyrologieen und Seelengedächtnissen den Opfern, die gefallen waren, gerecht zu werden. So brachte das kleine Buch, das dem Preise von Gesetzesstudium, Busse, Gebet, Wohlthätigkeit und Milde, der fünf Cardinaltugenden im Kampfe der Seele und des Leibes gewidmet sein sollte, Bussgebete seines Lrhebers4 5) und Klagegesänge von B. Ephraim, dem Rabbiner in Wreschen*), und B. Josef6), einem Vetter Jakob 1) Während Naftali in der Approbation R. Chanoch b. Abrahams vom 28 (1 כ״ח.) Ijar 1646 noch als Lebender erscheint, wird von R. Israel b. Jakob Hurwitz, dem Rabbiner von Obornik, Mittwoch, am 29. Aug. 1646, seiner bereits als eines Verstorbenen gedacht. 2) Heb er seinen Piut, dessen erste Worte אהה נשמד, לך כמד, בשרי Jakob als Eingang einer Dichtung entlehnt, s. Landshuth, עמודי עבודה p. 306. 3) נחלת יעקב מליצ[ו]ת+ Der Titel um die Anzahl seiner Worte vermehrt, soll der Quersumme der Buchstaben nach יעקב בן מהר״ד נפתלי gleich sein (1246+ 3=M249). 4) Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie p. 435. 5) Ib. 433. — <>) Ib. 435.