Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Samareitikon und Septuaginta
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
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62 Samareitikon und Septuaginta. Die mit den eigenmächtigen Correctnren des ST. übereinstimmenden Uebersetzungen in der uns ־vorliegenden Septuaginta gehören demnach, vielleicht mit einigen Ausnahmen, sicherlich nicht der ursprünglichen Uebersetzung an, sondern sind aus dem Samareitikon in die Septuaginta eingedrungen. Die obenangeführten Stellen, von welchen sich dies für einzelne Hss. nachweisen liess, zeigen den Weg, aut welchem das geschehen konnte. Das Samareitikon muss in zahlreichen Abschriften cursirt haben; denn selbst unter den wenigen uns erhaltenen Bruchstücken giebt es einige, welche verschiedene LAA. zeigen, die stellenweise sogar zu einer, also doppelten Uebersetzung zusammengeflossen sind 1). Die betreffenden Hss. werden in der Begel wohl einfach als Uebersetzung des Pentateuchs bezeichnet gewesen sein. In diesem Palle konnte der hellenistische Jude, dem der Urtext seiner Bibel unverständlich geworden war, die Uebersetzung nicht als eine samaritanische erkennen. Aber selbst dann, ־wenn ihr nicht]üdischer Ursprung ihm bekannt gewesen wäre, hätte er sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass ihm hier, hei demselben Inhalt, eine scheinbar correctere, geordnetere und vollständigere Ueber- Setzung vorliege, als in der in seinen Kreisen gebräuchlichen Septuaginta. Die Correcturen des ST. sind nämlich auch dort, wo sie nicht blosse grammatische Können und Schreibungen betreffen, ihrem Wesen nach in den allermeisten Fällen ganz harmloser Natur. Sie verfolgen mit verhältnissmässig wenigen Ausnahmen keine dogmatische Tendenz, sondern suchen blos die Darstellung der Bibel zu glätten, a^zurunden und auszugleichen. Bei allen lässt sich die mehr oder minder triftige Veranlassung, sowie der Weg nachweisen, der zu ihnen geführt hat. In der Regel verbessern sie den MT. aus und nach dem MT.: nach dem Zusammenhänge, nach den unmittelbar vorhergehenden oder den nächstfolgenden Versen, oft nach Paralielstellen, mitunter nach im Umlauf befindlichen Traditionen und Exegesen. Nichts ist natürlicher, als dass hellenistische Juden, welche die Septuaginta und das Samareitikon Ü Vgl. die Hexapla zu Ex. 28, 4: מצנפת , . . . rcvpdov (nikiov), rfzo״׳ y.r/.ty sxepav ypacpYjv, pürpav. Das. 26, 5 sind im Socp. zwei vorschiedtne Ueber Setzungen zusanrmen geflossen. Zu Deut. 32, 8 hat ein Cod. (bei Eieid z. St., Anm. 12) eine andere La. als die im Texte angegebene. Vgl. noch zu Lev. 8, 15 (Anm. 19) u. ob. S. 58 die Ausfiihmng über die Zusätze zu Ex. 23, 19 u. Deut. 14, 20 (21).