Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 569 suche einem jedem Proselyten, der sich freywillig zur Annahme des Christentums bey uns meldet, den Uebertritt zu erschweren, und findet man, dass seine Absichten unlauter sind, ihn so viel als möglich ganz zu verhindern. 4. Man nehme den rechtschaffenen Proselyten (nach dem Übertritt) mit Liebe, Freude und herzlichem Wohlwollen auf, man vergesse, wer er ehehin war, und mache ihm seiner Täter Glauben nie zum Vorwurf.“ Nicht ohne Interesse sind die Torgänge, die sich beim Übertritte Moses Hirsch eis zum Christentum ab spielten 1). Das Sendschreiben der Berliner Hausväter hatte ihn zu einer ausführlichen Eingabe an die Kammer angeregt, deren kurzer Sinn war: man solle ihm erlauben, sich durch öffentliche Erklärung völlig vom Judentum loszusagen und ihm, ohne dass er zum Christentum übertrete, woran ihm gewisse im 4. Jahrhundert vom Nicäischen Concilium festgesetzte kirchliche Dogmen hinderlich seien, die seine beschränkte Vernunft nicht fassen, und die er selbst in den ehrwürdigen Documenten Jesu und seiner Jünger nicht deutlich finden könne, dennoch erlauben, an allen Rechten der christlichen Staatsbürger teilnehmen zu dürfen. Zur Begründung dieses Gesuches führte er mit jener sonderbaren Geschichtsauffassung, die auch in seinen Schriften wiederkehrt, aus: ,,Mein Unstern hat mich in einer Religion geboren werden lassen, die ich nach genauer Prüfung in meinem reiferen Alter für ungiltig und aufgehoben habe anerkennen müssen. Mit der Zerstörung des jüdischen Reichs und Tempels hat auch die Iheokratische Regierungsform derselben aufgehört. Nur durch Machination der Pharisäer und Talmudisten ist sie bisher noch erhalten, aber auch noch mehr verunstaltet und verfälscht worden. Dies hat ihr (mit Recht) die Missbilligung aller Völker zugezogen“, Er sei bisher nur mit Rücksicht auf seine Mutter, die nun verstorben sei, noch nicht aus dem Judentume ausgeschieden, habe aber immer schon nach den Grundsätzen der Vernunftreligion gelebt, die der reinen Religion Christi wo nicht ganz gleich, doch selbst nach Ausspruch der berühmtesten christlichen Theologen, als 9 St.-A., P.-A. II 49 k. Schümm el, Biesl. Almanacli, S. 246. Monatsschrift. 37. Jahrgang. 37