Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829653-2877978--25260-2878019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
570 Emancipations-Besfcrebungen in Breslau. Teller, Semler, Spalding, Zollikofer, Jerusalem etc. ganz nahe komme. Ausserdem berief sich Hirschel auf das allgemeine Landreeht, T. 2., Tit. II, das ihm gestatte, aus dem Juden turne auszuscheiden, und Schutz dagegen gewähre, wenn man ihn ferner als Juden behandele oder beeinträchtige. Die Kammer (Referent Andreae) nahm sich die Mühe, eingehend ihm zu antworten, dass diese Gesetzesstelle sich nur auf Gewissensfrei־ heit beziehe, indem sie die religiöse Privatmeinung jedem Einzelnen als Gewissenssache überlasse. Niemand habe ein Recht ihn anzugreifen, selbst wenn er diese seine ^Privatineinung öffentlich äussere, sobald er sich aller Beleidigungen und Schmähungen des Judentums und seiner Anhänger enthalte. Aber da der preussische Staat dermalen nur die drei christlichen Religionsarten der Katholiken, Lutheraner und Reformierten als öffentlich aufgenommene Kirchengesellschäften recipiert habe, deren Mitglieder des vollen Umfanges der Rechte preussiscker ״Staatsbürger“־ geniessbar werden könnten, so müsse er, wenn er diese Rechte erlangen wolle, ausdrücklich zu einer dieser Religionsgesellschaften übergehen und sich in ihre äussere Formen fügen. Da er aber selbst erklärt, dass er das nicht thun könne, so bleibe er nach wie vor Mitglied der hiesigen Judenschaft. Natürlich trat Hirsche! später doch zum Christentum über1). "War seine Vernunft nachher nicht mehr so beschränkt, oder waren die Dogmen ihm fassbarer geworden? IV. Die Abstellung der frühen Beerdigung. Zehn Jahre eines bewegten Gemeindelebens haben sich vor unseren Augen entrollt. Wir sahen, wie auf der ganzen Streitlinie trotz der hartnäckigen Angriffe der Gegner die Freunde der Aufklärung nicht nur ihre Stellung behaupteten, sondern sogar den endlichen Sieg errangen. Aber das gezeichnete Bild bliebe unvollendet und unfertig, wollten wir nicht auch noch eines anderen heissen Kampfes gedenken, der zur gleichen Zeit zwischen den Anhängern der alten und neuen Richtung tobte und von ebendenselben Männern angeführt wurde, deren ף Pr. Bl. Bd. 39, 104. S. 492.