Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über das Datum im Evangelium Matthai, 26, 17
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 16)
- Language
- German
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552 Ueber das Datum im Evangelium Matthäi 26,17. man beide genau kennen. Die nach ״unbefangenem Urtheil trachtenden jüdischen Gelehrten‘1 kennen hier beide zu vergleichenden Objecte, sehr genau, die christlichen Gelehrten dagegen kennen das eine Object gleichfalls sehr gut, das andere dagegen kennen sie nur sehr oberflächlich, oder, was noch schlimmer ist, sie haben von ihm oft einen falschen und verkehrten Begriff. Die ״perfidiae Judaeorura“ und die ״niigae Rabbinorum“ spuken noch in vielen Köpfen christlicher Gelehrte! herum. Herr Schürer hat es für nöthig erachtet, in einer nachfraglichen ״Berichtigung‘‘ ausdrücklich zu sagen, dass ich kein ״jüdischer Gelehrter“ sei, wie er es früher gedacht, sondern dass ich schon vor geraumer Zeit zur griechisch-orthodoxen Kirche übergetreten sei. Diese Berichtigung war an und für sich vollkommen überflüssig, da dies aus meiner Torrede p. III f. genügend zu ersehen ist. Weshalb Schürer es für nöthig fand, dies nachträglich zu erklären, ist mir absolut 1111־ erfindlich. Ich sehe mich aber zu folgender Bemerkung veranlasst. Bei meinen wissenschaftlichen Forschungen bin ich weder Jude, noch Christ, weder religiös conservativ, noch religiös freisinnig, sondern ich bestrebe mich, dem Gegenstände meiner Forschung gegenüber, so weit dies einem Menschen möglich ist, objectiv zu sein. Auch in meiner letzten Arbeit spielte mein Bekenntniss nicht die allergeringste Rolle. Wenn ich behauptet habe, dass die Angaben der Synoptiker und die des Ev. Job. in Bezug auf das letzte Abendmahl Christi in keinem Widerspruche unter einander stehen, wollte ich damit durchaus nicht den conservativen Theologen eine Freude bereiten. Ebenso wenig war ich von dieser Absicht beseelt, wenn ich nachzuweisen suchte, dass der Kern des Berichtes über die letzten Lebenstage Christi aus sehr früher Zeit, vielleicht gar von Augenzeugen, herstamme; ferner dass die Synoptiker eine Quelle vor sich hatten, welche spätestens aus den Jahren 50—55 herrührte.. Ich sprach überall nur meine innigste wissenschaftliche, aber nicht religiöse Ueberzeugung aus. Wenn ich ferne]* von der ״herrlichen Gestalt Christi“, von der grossen welthistorischen Bedeutung des Christenthums und dessen wohlthätigem Einfluss auf die Menschheit sprach, so waren meine Worte nicht der Ausfluss meines christlichen Bekenntnisses, sondern einzig und allein das Product meiner Studien und meines Nachdenkens über die culturliistorische Entwickelung der Menschheit. Dem Leser meiner letzten Abhandlung kann es daher vollkommen