Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über das Datum im Evangelium Matthai, 26, 17
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 549 (sequence 13)
- Language
- German
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Ueber das Datum im Evangelium Matthäi 26, 17. 549 dagegen wollte es, wie Geiger meint, mit antipiiesterlicher Tendenz, zum Gemeindeopfer stempeln (vgl. p. 43). Ans dem eben Gesagten geht aber augenscheinlich hervor, dass Schürer meine ganze Untersuchung über diese ]?rage (p. 20—31) entweder nur sehr flüchtig oder gar nicht gelesen hat. Wozu denn auch eine so verwickelte Untersuchung erst lesen? Dazu hat man ja ein Inhaltsverzeichniss, und dieses genügt für einen En״gros-Becensenten — der oft Wissenschaftlieh tief unter dem Manne steht, dessen Schrift er be- und oft verurtheilet t) — besonders wenn der Verfasser des zu recensierenden Buches nicht zur Zunft gehört und nicht hübsch artig ist. Mit einem unartigen und unzünftigen Manne macht man nicht viel Federlesens: man liest den Index durch, blättert ein wenig in dem Bliehe, und man macht den unartigen Eindringling todt, oder man will dies wenigstens thun. Will sich der so misshandelte Mann wehren, wird seine Erwiderung von den zünftigen Zeitschriften meistens nicht aufgenommen. Geschieht dies einmal aus Gnade und Barmherzigkeit, wird die Beplik dem Becensenten zur Censur zugeschickt, der sich so gut er kann aus der Affaire loswindet, behält aber das letzte Wort; denn die zünftige B-edaetion erklärt die Polemik für geschlossen. Herr Schürer sagt feiner: ,,Und seihst wenn man zngeben wollte, dass das Passa verlegt wurde, wenn der 14. auf einen Sabbat fiel, so ist es das Uebermass der Unwahrscheinlichkeit, dass diese Verlegung auch erfolgt sein soll, wenn der 14. auf einen Freitag fiel, nur wegen der Nähe des am Abend dieses Tages beginnenden Sabbats!“ Hier scheint wiederum Herr Schürer meine Auseinandersetzung (p. 37 — 44) über die Tageszeit, wann das Passaopfer dargebracht wurde, nur sehr flüchtig, oder, was mir wahrscheinlicher ist, gar nicht gelesen zu haben! Hier glaube ich unwiderleglich nachgewiesen zu haben, dass man in alter Zeit unter בין הערכים, 1) Gelehrtenhoclmmth und Geiehrtendünkel liegen mir, Gott sei Dank, sehr fern. Ja, trotz der 60jährigen beharrlichen Arbeit und des redlichen Strehens stehen mir immer die Verhängnissvollen Worte: ״ignoramus“ und ״ignorabimus“ vor Augen. Dennoch glaube ieh ohne Selbstüberhebung — allerdings auch ohne Stolz — sagen zu können, dass meine Kenntniss der rabbini sehen Literatur thurmhoch über der des Herrn Schürer steht. Und dennoch erlaubt sich derselbe vom hohen ]Richterstuhl so wegwerfend über meine, hauptsächlich auf Kenntniss der Halachah basierende Untersuchung zu urtheilen! Wenn die Einäugigen unter Blinden die Bolle von Königen spielen, so sollten sie doch nicht auch unter den Hellsehenden dieselbe Bolle spielen wollen.