Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über das Datum im Evangelium Matthai, 26, 17
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 544 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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544 TJeber das Datum im Evangelium Matthäi 26, 17. giebt nur drei Möglichkeiten, um zu erklären, wie dasselbe entstanden sein könnte. Entweder liegt irgendein Fehler im Originaltexte, oder wir haben eine falsche Uebersetzung desselben vor uns; es kann aber auch beides der Eall sein, cl. h. ein Fehler im Originaltexte vorhanden sein, in Folge dessen der Uebersetzer die Stelle missverstanden und falsch übersetzt hat. In meiner Abhandlung habe ich mich (p. 1 1 f.) für die erstere Alternative erklärt, wodurch alle Schwierigkeiten wie mit einem Zauberschlage beseitigt wurden. Nachträglich fiel, mir noch eine andere Conjectur nach der dritten Alternative ein, und ich will sie hier competentcn Gelehrten zur Prüfung vorlegen. Ich denke mir die Sache wie folgt: im aramäischen Originaltexte stand ביומא מקמא פטיליא, was zu lesen war ביומא ״ ,מר!מא פטירייאin den t age.11 vor (dem Feste) der ungesäuerten Brote,“ d. 11. in den nächsten Tagen vor dem Osterfeste. Durch ein Yersehen oder in Folge einer Undeutlichkeit in der Handschrift fiel das erste מ in 0קמא aus, und es blieb ביומא קמא פפדריא; dieses las der Uebersetzer fälschlich ביומא קמא דפטידיא — das ד dachte er sich natürlich, hinzu — und übersetzte es: qj 1rp׳d>־qj xä>v äChgoiv. Nach dieser Annahme ist im Originaltexte nur ein Buchstabe ausgefallen, in Folge dessen der mit den jüdischen Gebräuchen nicht genügend bekannte Uebersetzer den ־uuvocalisierten Text falsch gelesen und auch falsch übersetzt hat1). Durch diese Conjectur fällen gleichfalls alle Schwierigk eiten und Widersprüche weg. Nur lässt sich gegen dieselbe ein philologischer, oder richtiger orthographischer Einwand erheben. Nach den jüdisch-aramäischen Texten, z. B. den der Targumim, musste man im st. constr. pl. "ביומי מקמי, aber nicht ביומא מקמא, und im st. emph. pl. ביומיא דמקמי schreiben. Gegen diese Einwendung glaube ich Folgendes bemerken zu können. Die jüdisch-aramäischen Texte, wenn auch zum Theil aus alter Zeit herstammend, sind schriftlich spät fixirt worden; orthographisch weichen diese Texte in verschiedenen Handschriften und sogar in alten Druckwerken bedeutend von 1) Diese Conjectur habe ich schon im April dieses Jahres Herrn Prof. Nöldeke und später auch Dt. W. Bacher mitgetheilt; jetzt, d. h. Ende Juni, ersehe ich aus dem Juni-Heft dieser Monatsschrift, p. 398 ff., dass auch Herr D1\ D. Kaufmann auf einen ähnlichen Gedanken ־wie ich gekommen ist, ,,ohne Etwas über die Urgestalt der Stelle entscheiden zu wollen.«