Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über das Datum im Evangelium Matthai, 26, 17
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Heber das Datum iai Evangelium Matthäi 26, 17. 543 hin bleibt das Datum bei Matth. 26, 17 — ungeachtet der angeblich ״befriedigenden Lösung11 bei Scluirer — absolut unmöglich, weil ein solches Datum factisch niemals und nirgends gebraucht wurde, und weil man unter den Worten: ראשון לחג המצות immer und überall den 15. ־verstanden hat und auch jetzt dasselbe versteht Dies ist für Jeden, der den jtidisehen Sprachgebrauch kennt, so über allen Zweifel erhaben, dass man unter Juden sich ebenso lächerlich machen würde, wenn man dies ihnen erst beweisen wollte, wie man sich unter Deutschen lächerlich machen würde, wenn man ihnen beweisen wollte, dass Gharfreitag auf den Freitag und nicht auf den Donnerstag der Passionswoche fällt. Wer Deutsch verstellt, der weiss es von selbst; demjenigen dagegen, der kein Deutsch versteht ist dies schwer zu beweisen; einem Solchen kann man nur sagen: seit es deutsche Christen giebt, hat man unter Charfreitag immer den Freitag und niemals den vorangehenden Donnerstag verstanden. Will der des Deutschen unkundige Mann dies nicht glauben, und will er sogar aus irgend welchen lächerlichen und abgeschmackten Gründen beweisen *), dass man unter Charfreitag doch den vorangehenden Donnerstag verstehen könne, so ist diesem Manne nicht zu helfen, und man denkt: mag er in seinem Irrthum verharren, wenn er keine Belehrung annehmen will! Ich kann es mir nicht denken, dass der Berichterstatter über die letzten Lebenstage Jesu, der noch ganz innerhalb des Judenthums und unter den Juden gelebt hat, einen Unsinn geschrieben, ein absolut unmögliches Datum angegeben haben sollte. Es kehrt. Unsere Cultur hat ihren Weg niemals in gerader Linie zurückgelegt; sie ging im Gegentheil fast immer im Zickzack und hat oft Sprünge rückwärts gemacht. Sie ist oft auch gänzlich verschwunden und erst nach längerer Zeit der Pinsterniss wieder zum Vorschein gekommen. Oft gingen auch zwei Parallellinien neben einander: die höchste Cultur und der gröbste Aberglaube, was auch in der Gegenwart der Pall ist. Wer weiss dies nicht? Die Propheten verkündigten die .erliabensten Begriffe von Gott, und gleichzeitig stritten Priester über die demselben zu opfernden Pettstücke. 1j Ein solcher, der deutschen Sprache und der deutschen Sitte ankundiger Mann könnte z. B. sagen: er hätte in irgend einem Büchlein gefunden, dass viele griechisch-katholische Christen am Donnerstag der Passionswoche das Abendmahl nehmen, daher diesen Tag andächtig zu״ bringen und sogar ihren Kaffee mit Mandelmilch, statt Schmand, trinken, folglich könnte man darin eine ״befriedigende Erklärung“ dafür finden, jenen Donnerstag als Charfreitag zu bezeichnen. ״Reiner Unsinn“, würde Herr Schürer zu dieser ,,befriedigenden Erklärung“ sagen. Ich und alle anderen gelehrten Juden sagen dasselbe zu seiner ,,befriedigenden Erklärung.“