Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 529 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829652-2877910--25214-2877961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eruancipations-Bestrebungen in Breslau. 529 Wilhelm s-Schule durch Gewähr ung des zinsfreienVorsckusses und des besonderen Königlichen Gehaltes für den Director genug Entgegenkommen gezeigt So wurde thatsäclüich die fragliche Summe von 200 Thalern jährlich in die von den Landjuden zu zahlenden Silberlieferungsgelder eingestellt und von ihnen für die Wilhelms-Schule erhoben. Aber noch immer nicht war die Glut des Hasses gedämpft, noch immer nicht die Flamme des Widerstandes gelöscht; in der Gemeinde gingen insgeheim die Wühlereien der Unzufriedenen weiter und rissen zuletzt auch wiederum die Vorsteher mit sich fort Wie oft persönliche Interessen und persönliche Gehässigbeiten mit unterliefen, zeigt ein charakteristisches Beispiel1). Die Besitzer der Dyhernfurther Buchdruckerei2 3 * * *) beschwerten sich bei Hoym darüber, dass man sie der strengen Censur Lowes und Wolfssohns unterstellt habe, obwohl ihnen durch Kgl. Privileg die Wahl der Censoren freigestellt sei, und erbaten sieb christliche Censoren. Der Minister wies zuerst das Gesuch zurück, gewährte es aber auf wiederholte Bitten nachträglich, ״da man wohl auf beiden Seiten nicht ganz von Leidenschaften frei sein möge.“ Daraufhin richtete Löwe eine Eingabe an Hoym, in der er nach wies, dass er die Dyhernfurter Bücher weder strenge noch gelinde censiert habe, weil ihm vom Tage seiner Anstellung an auch nicht ein einziger Buchstabe von der gedachten Druckerei zum Censieren geschickt worden sei. In Wirklichkeit fürchteten die Dyhernfurther Buchdruckereibesitzer, keinen Absatz für Bücher zu finden, die den Censnrvermerk der Aufklärer trugen; die Zwistigkeiten hatten jedoch zur Folge, dass Löwe und seine Anhänger die Gras s’sehe Druckerei in Breslau veranlassten, ebenfalls jüdische Bücher zu drucken8). 1) Sfc.-A., M. R. V., 98 a, 2. 2) Vgl. über sie Brann, S. 221. 3) Ygl. auch. Brann, S. 261 Anm. 1. — In den Pr. Bl. findet sich als erster hebräischer Druck eine mit kebr. Grass’schen Typen gedruckte deutsche Ankündigung der Löweschen Pentateuchübersetzung durch Wolfssohn (1802, Bd. 86, Anhang September); Löwe war kurz vorher ver-