Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 528 (sequence 7)
- Language
- German
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528 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. nach Kräften zu Blüte und ]Früchten zu verhelfen. Aber die Kammer predigte tauben Ohren. Die Vorsteher, unter denen als Hauptgegner der Wilhelms-Schule sich Ab r ah am G0 tt seh alk War t e n b e r g hervorthat, erklärten plötzlich, der Gemeind e gegenüber die monatliche Auszahlung der Schulunterhaltungskosten aus der Gemeindekasse nicht verantworten zu können, und wollten eine Versammlung der Gemeinde zu diesem Zwecke einberufen. Die Kammer musste unter Androhung fiskalischer Büge dies als gesetzwidrig verbieten und die Judencommission anweisen, nötigenfalls executivisch die Gemeinde zur monatlichen Zahlung anzuhalten. Hoym gegenüber, an den sich die Vorsteher mit einer Beschwerde wendeten, sprach sie sich in scharfen Worten über ,,den Eigensinn, die beleidigteEigenliebe und heuchlerische Bigotterie mancher Vorsteher und Gemeindemitglieder aus, die die Wilhelms-Schule zu untergraben und auf ihren Trümmern eine fanatische Rabbinenschule zum Ärgernis der reichen und aufgeklärteren Juden zu errichten gedächten.44 So sahen sich die Vorsteher von allen Seiten in die Enge getrieben und mussten notgedrungen in den Vergleich willigen, den das Scliulcollegium ihnen anbot. Hach genauen Berechnungen, die Dohm als Bevollmächtigter der Gemeinde und Zimmermann von Seiten des Schulcollegs aufgestellt hatten, einigte man sich dahin, den Zuschuss der Gemeinde auf eine niedrigere Summe zu bemessen und die Landjuden, deren Kinder 1111entgeltlich die Schule besuchten, zur Zahlung von 200 Thalern jährlich verpflichten zu lassen. Die Kammer hätte es zwar am liebsten gesehen, wenn der Staat selber diesen Zuschuss geleistet hätte; denn ,,wenn diesem an der Kultur und sittliehen Ausbildung der Juden überhaupt gelegen sein müsse, so werde er auch füglich zu einem Institut, welches mit Erfolg auf diesen Zweck hinarbeite, etwas beitragen können und das um so mehr, als 200 Thaler jährlich eine wahre Kleinigkeit im Verhältniss zur Totalsumme der jüdischen Abgaben sei.44 Hoym wies jedoch den Vorschlag der Kammer zurück, da jede Gemeinde, von welcher Religion sie auch sei, ihre Kirchen und Schulen aus eignen Mitteln unterhalten müsse; zudem habe der Staat der