Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 8)
- Language
- German
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496 Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. lieber diese Stelle springen nun unsere Talmudbeflissenen rasch her und machen Akiba zum Urheber des Abinu Malkenu-Gebets. Allein, dass er dasselbe verfasst habe, ist ebenso wenig anzunehmen, wie dass R. Elieser die stereotypen vieriindzwanzig Benedictionen des Fasttags verfasst habe. Im Gegentheil. Akiba’s Gebet wird nur nach den beiden ^nfangssätzen citiert und als bekannt vorausgesetzt. Nehmen wir wieder die von unseren Talmudisten über die Schulter angesehenen Apokryphen zur Hand, so finden wir im U Makkabäerbueh з, 60: [Tater, Herr] im Himmel, wie Dein Wille, so geschehe es! אבינו] שבשמים •עשה כרצונך], cf. Tosefta Berachoth 3, r. Eiieser’s Gebet und daselbst 4,9: — אבינו שבשמים חגנו,זכור ברית אבותנו; ferner 11. Makk. 1, 24 in dem Gebet [Esra’s oder Josua’s, fälschlich] Jonathan’s והמטיב m אתה לבדך מלך и. s. w. אתה לבדך; daselbst 8, 15: עשה למען ברית אבותינו עשה למען שמך הגדול שנקרא עלינו. im in. Makkabäerbuch, einem echt therapeutischen Documente, wird Gott als האל הגדול והגבור אבינו אב הרחמן in cap. 5, 7 und 6, 2—3 angefleht. Und so könnte durch die ganze Litteratur Musterung gehalten werden, um zu erweisen, dass dieses Vater-Un ser-Gebet aus vorchristlicher Zeit und aus den Kreisen, in denen das אבינו שבשמים geläufig war, also von den Gott stets sich nahefühlenden Chassidim, herstammt. Es sei mir gestattet, hier folgende sehr wichtige Beobachtung anzuschliessen. Christliche Gelehrte, die das Judenthum allein aus der Vogelperspective des antijudäisch gefärbten Neuen Testaments kennen oder beartheilen, behaupten, dass der Ruf ״Vater im Himmel“ nicht die christliche Gottesliebe, sondern nur die jüdische Exclusivität bekunde. So der als Autorität überall citirte Weber, System der altsynagogalen Theologie, S. 150. Wenn Jesus Matthaeus 13, 9 zu seinen Jüngern sagt: ״Nennet keinen Menschen auf Erden Vater; Gott im Himmel allein ist Euer Vater!“ — so reflectiert das auf die echt essäische Sitte, den Lehrer, das Oberhaupt der Genossenschaft, mit dem Titel אבא zu bezeichnen. So kennzeichnen sich auch im Talmud die Essäerführer durch den Namen אבא statt רבי, Jesus will nun den Namen Vater für Gott allein, den himmlischen Vater, reserviert und die neue Gemeinde zu einer vollen Brüderschaft geeint sehen. Er selbst ist mehr der Bruder, der geliebte Sohn Gottes aus der Brüderschaft. — Für die Vaterschaft Gottes hat er keine neue Idee oder neue Empfindung herbeizubringen. Die Vaterschaft