Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 7)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 495 und Gebet mit Lehrvoxtrag in den Essäergenossenschaften in einander übergingen, wie das aus Philo und Josephus ersiehtlieh ist. Das Festmahl war selbst ein Gottesdienst, ein שלחן לפני י״י. daher der hohe Werth, der überhaupt den שלש פעולות und besonders dem abschliessenden Habdalahmahl in altessaischen Kreisen beigelegt wird. Selbst den Weintropfen vom Kiddusch- und Habdalahbecher, besonders dem letzteren, schrieb man schon im Midrasch Schocher Tob., Psalm 35, cf. Pirke di- R. Elieser, 20, und Tossafot, Pesachim 100 b, magische Wunderkraft zu. Auch beim Neumondsfest gab es eine ע^^^נ^נ-קילוש!, so gut wie beim Trauermahl eine besondere Benediction überliefert wird. Siehe Mass. Soferim 19, 9 und 11 und dazu Müller. Beeilt mystisch und einen altpersischen Ursprung verrathend ist die auch in das Neumondsgebet gerathene Midraschlegende von dem Sühnopfer, das Gott irn שעיר לחמאת für sich selbst verlangt מפני שמעמתי את הירח. Es ist Schreiber dieses bis jetzt nur im Indischen eine Urform der Legende begegnet, die wohl im Persischen der jüdischen monotheistisch gefärbten näher kam. Der Mond Soma hat von den dreissig Töchtern Daksha’s, die ihm derselbe zu Frauen gegeben, nur Eine, Rohini, als Weib geehrt und die anderen treubrüchig ver- Lassen. Darum schwand er ohnmächtig fünfzehn Tage lang dahin, und durch Reue gewann er seine Stärke und Grösse immer wieder (S. Monier Williams, Indian Wisdom, 241, note). Die jüdische Legende lässt den Mond durch Neid auf die Sonne sündigen und den Mond seine Strafe durch Verkleinerung büssen mit der Aussicht, dass er seine alte, der Sonne ebenbürtige Gestalt dereinst wieder erhalten werde. Soll das Sühnopfer für den Mond oder die göttliche Verkleinerung desselben die Zeit der Welterneuerung herbeifähren? Wiederum eine nur in den essäischen Kreisen mögliche Ideen- Association! Wir kommen schliesslich zum jüdischen ״Vater Unser!“ dem אבינו מלכנו. Thaanith. 25b wird erzählt: ״Es war grosser Regenmangel, und Pi Elieser trat vor die Lade und betete die 24 Segenssprüche der Mischnah II. 1, doch ohne Erfolg. Sobald E. Akiba jedoch vor die Lade trat und betete: ״Unser Vater! Unser König! Wir haben keinen König ausser Dir! Um Deinetwillen erbarme Dich unserer!“ — da fiel Regen. ,,Nicht weil R. Elieser geringer, sondern weil Akiba äemüthiger ist,“ ertönte das Himmelsecho.