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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 11 · p. Seite 494

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 11
Article
Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
Date
1893-01-01
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
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494 Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. Thatsache, dass der Fortschritt nicht vom Einfachen zur Mannigfaltigkeit, sondern umgekehrt von der Wortfülle zum Einfacheren stattfindet Die alten Chassidim hatten mehr Zeit als die späteren Alltagsmenschen, die die pharisäisch-chaldäische Lebensordnung annahmen. Ihnen war das Leben hie■־ nieden und das Leben im Himmel nichts als Preis und Lobgesang. Sie waren, was im Hiob noch ausschliesslich die Himmlischen sind, auf Erden die Gott täglich preisenden .קדושים Dabei waren sie in ihrem Eifer auch gar keine sprachlichen Puristen. Ihnen war das יציב neben dem אמת, das Dp neben dem נכון, oder das ישתבח neben dem יתהלל trotz aller Tautologie nicht anstössig. Die nüchterne Kritik hat hier nur falsche Maassstäbe. Mit einem Wort: nur aus der GeistesatmoSphäre der späteren Essäer, der Nachfolger und Erben der חסידים הראשונים oder ותיקין, lässt sich die gesamte Liturgie begreifen und würdigen. Nur diese Wanderprediger nach dem Beispiel Abrahams, die an den Grenzen der jüdischen Bezirke ihre Coenobien hatten, konnten aus dem griechischen ihr ״ קלסgut heissen“, ״loben“ verfertigen und es in den Gebetswort־ schätz aufnehmen. So was konnte in der nachrömischen Zeit kaum mehr recht geschehen. Vergleiche übrigens Müller, Soferim, S. 226—230. Nur aus den essäischen Sabbatk- und Festmahlzeiten erklärte sich auch drittens das קלוש in der Synagoge, die Heiligung des Tages beim Wein. Schon Babbi Jochanan am Schluss des 13. Jahrhunderts setzt die Einführung der Heiligung der Sahbath- und Festtage und deren Aussegnung קדושות והבדלות in die Zeit der beginnenden Synagoge — אכה״ג תקנום (JBerachoth 33a), und darauf zielt nun das synagogale Festgebet, daselbst 33b, ותודיענו, das Bab und Samuel bereits als stereotyp kennen, und das daher in die älteste Zeit zurückreicht, deutlich mit den Worten קדשת והבדלת hin. Was will es nun sagen, wenn uns Pessachim 101 a Rah und Samuel belehren, dass nur beim Mahl die Sabbath- und Festheiligung stattfinden solle, und die Späteren in dem Kiddusch der Synagoge nur eine Concession an die im Nebenzimmer einlogierten Armen, die dort gespeist werden, erblicken? So viel, dass man in Babylon aus aLtessäischer Gewohnheit sich ganz herausgelebt hatte. Man weiss nicht mehr, dass die חבורוחו oder Chassidimgenossensehaften (siehe Tossafoth s. v. ד׳ אכלו ושת) wenigstens noch heim Neumonsdfest ihr Mahl in der Synagogenhalle des Tempels und auch des späteren Synhedrialgebäudes abhielten, noch viel weniger, dass Festmahl

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