Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 493 (sequence 5)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der 8}rnagogalen Liturgie. 493 der Keduscka mit dem ימלך eine dritte; und wohl auch das אבינו מלכנו גלה כבוד מלכותך עלינו מהרה eine vierte Form. Kurzum, in der Richtung chassidäischer Sehnsucht nach dem messianischen Zukunftsheil liegt das Kaddisch, und nur im Hinblick auf diese Hofhiung der Gesammtheit soll die Einzeltrauer ihren Trost finden. Wir kommen nun zur verwandten ״Heiligpreisnng“ der Gottheit, der קדושה. Da die Mischnah diese bereits als Beiiediction nennt, so lässt man den Engeichorus in seiner Breite aus der kurzen Form hervorgegangen sein, und weiss uns Zunz ganz genau die Zahl der Worte der ältesten Form nach dem reineren Hebräisch zu bestimmen. Wir bedauern, diesen Voraussetzungen nicht zustimmen zu können. Gewiss hat der levitische Gesang ״Heilig!44 schon in Jesaia’s Ohr aus dem Tempel geklungen, ehe er das ,,Dreimal Heilig!“ der Engelchöre im Himmel im Geiste vernommen. Und so hatte der EzechieFsche Ruf: ״Hoch erhoben und geheiligt werde mein Harne unter den Völkern!“ (Ez. 38, 23) im Exil bereits eine Gemeinde heiliger Beter geschaffen, ehe noch die Keduscha. und das Kaddisch die stereotype Form angenommen hatte. Hat sich nun wirklich an den Sonnenaufgang das Morgengebet, — nach indisch-persischem- oder gar altcha-ldäischen Vorgang — angeknüpft, so musste, nach Professor Steinthal’s treffender Be- Zeichnung, dieser Gottesdienst dramatisch werden, eine Hachahmung der Engel, die Gott als Herrn der Herrlichkeit beim aufgehenden Tageslicht begrtissen. Die zur Licht-Benediction יוצר אור gehörige קדושה in ihren mannigfach ־wechselnden Ausdrücken ist demnach, trotz ihres jüngeren Typus, älter als die stereotype dritte Benediction des Sieben- oder Achtzehn- Gebets. Darum hat denn auch das kirchliche Morgengebet jenen älteren Zusammenhang des Trisha-gion mit dem Schöpfungsliymnus des יוצר אור erhalten. Und so zeigt auch bereits das 39. Kapitel von Enoch die Engels-Heiligung: ,,Dich preisen die nicht schlafenden עירים . . und sprechen: ״Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Geister, Er füllt die Erde mit (Geistern) seiner Herrlichkeit!44 Und meine Augen sahen die nicht schlafenden, wie sie vor Ihm stehen und preisen: ״Gepriesen seiest Du, und gepriesen sei der Harne des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit!44 Diese Response ist gewiss älter als die Textänderung Ezeck. 3, 12 ברום המד י״י ממקוסו in das schon eine mystische Himmelsandacht voraussetzende 'ברוך כ. Was nun im Gegensatz zum Zunz’sehen Axiom sich bei einer Vergleichung der kirchlichen mit der synagogalen Liturgie aufdrängt, ist die