Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 3)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 491 diesespforten erschliesse (Sabbath 119b cf. Berachoth 57 a und Sota 49a). Auch die Vorstellung, dass die Frevler am Sabbath Ruhe vor den Höllenstrafen linden, die schon die Pessikta, cap. 23־ in das Zwiegespräch zwischen Aldba und Turnus Rufus einflicht, beruht auf dem Gedanken, dass die G-ebete und Lobgesänge der Frommen am Sabbath im Bethaus oder Speisesaal diese Wirkung der Befreiung ausüben. Nun sind wir aber vor Kurzem in den Besitz einer uralten und, wie Schreiber dieses in einer bald zu veröffentliebenden Schrill nachzuweisen gedenkt, dem Henochsbuch und der Moses-Apokalypse an Alter vorangehenden Abraham- Apokalypse gelangt, unter dem Namen ״Testament of Abraham“ von M. R. James in Cambridge 1892 nach verschiedenen Manuscripten herausgegeben, in welcher der Erzvater zuerst auf einer Reise auf dem Cherub wagen Gottes unter MichaeFs Führung vom jüngsten Gericht, vom Fegefeuer, von der Hölle und dem Paradies Einsicht gewinnt und die Kraft der Fürbitte für die Seele der Sünder kennen lernt, die ihn sodann zum ,,Lobpreis Gottes“ herausfordert. Die Schilderung jedoch, die hier von den Höllen- und Paradieses weiten gegeben wird, und die für die ganze Simon ben Levi-Legende der Fahrt durch den Inferno und Paradiso, wie für deren christliche Vorgänger und Aelmliches, das Vorbild abgegeben hat, knüpft direct an persisch- — das heisst auch chaldäisch- — egyptische Vor- Stellungen vom Jenseits an. Auch die היכלות und יורדי הרכבה empfangen von hier aus ein ungeahntes Licht. Nicht zu übersehen ist hier der Umstand, dass die Geister der Urväter, die Seelen der Frommen — נפשות הצדקים — in der ältesten jüdischen Kosmogonie und Eschatologie nach persischem Vorgänge einen hervorragenden Platz einnehmen. In deren Reihen aufgenommen zu werden, in den Schooss Abraham’s, IsalPs und Jakob’s einzugehen, ist der Wunsch, der schon im 4. Makkabäerbuch, also in vorchristlicher Zeit, gehegt und im christlich-essenischen Gebet für die Verstorbenen (VIII. Apostol. Constit. 41) ausgesprochen wird, und der die ganze Oekonomie des Jenseits beherrscht. Und der Aufstieg von Stufe zu Stufe der Seligkeit ward unter solchen feierlichen ״Amen!“- und ״Heilig!“־Rufen, wie bei den lebenden Genossen der Heiligen Gemeinde, so auch im Jenseits — ja nach gnostischer Lehre sogar im kosmischen Leben der Geister, das auf der Siebenzahl der Amen beruht — vollzogen. Doch wir müssen von diesem Pegasusritt in’s Land der Phantasie, über den die Gelehrtenzunft lächelnd den Kopf 32*