Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 9)
- Language
- German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 475 doch vielsagenden Satz ihrer Eingabe zum Yorschein: .,Es kann uns mit Recht nicht zugemuthet werden, dass wir bei dieser nahrungsloseu Zeit durch unsern säuern Schweiss für gut bemittelte, ja sogar zum Teil reiche Leute kostbare Lehrer unterhalten sollen, damit deren Kinder Wissenschaften u. s. w. auf Kosten unserer erlernen sollen!u Die Kammer schickte die Eingabe der Repräsentanten an das DirektionskollegLum, damit es sich darüber äussere. Dieses wies zunächst darauf hin, dass die Eingabe nur von fünf Repräsentanten unterzeichnet sei, von denen gewiss drei aus falschem Religionseifer gehässig seien; Zimmermann, L. Meyer und Dohm seien ebenfalls nicht unterzeichnet, das Schreiben könne also nur als Aeusserung einer Privatinemung angesehen werden. Den Inhalt selbst .־widerlegte das Kolleg eingehend und erklärte zuletzt, es erhelle zur Genüge, dass alle Einwendungen der Repräsentanten nur leere Ausflüchte, ihre Weigerung, die Schule zu erhalten aber liechst pflichtwidrig sei, und dass sie es nur darauf an legten, ein Institut zu Grande zu richten, für das die späteste Kacliwelt einen glorreichen Monarchen und seinen erhabenen Minister noch segnen würde. Das Kollegium bat endlich um Erteilung eines Verweises an die Repräsentanten für dies sonderbare Benehmen und um den Befehl, die fraglichen 160 Thaler vom 1. Juli ab endlich einmal an die Schulkasse ohne Weigerung zu zahlen. Soweit ־war der Streit zwischen Gemeinde und Schule gediehen, als plötzlich ein Ereignis eintrat, das die Wirren noch vermehrte. Der Krieg, den Preussen mit Frankreich und nun auch mit Polen führte, zwang־ eleu König, alle Gelder flüssig zu machen, und so sah sich Hoym geuöthigt, am Versöhnungsfage des Jahres 1794 die Gemeinde zur sofortigeil Rückgabe des dem Sch 111 fond geliehenen Capitals von 10,000 Thalern, von dem erst 2000 Thaler zurückgezahlt waren, aufzufordern. Den Repräsentanten war das ausserordentlich willkommen; sie selbst hatten von der Schulkasse bereits 8000 Thaler entliehen, musste die Schulkasse nun auch noch das kgl. Geld zurückzahlen, so konnte die Schule 31*