Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 8)
- Language
- German
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474 Emancipations-BeStrebungen in Breslau. Ordnung der Angelegenheit einstweilen hinaus. Vergebens mahnte Zimmermann. Die Vorsteher blieben taub. Als das Kolleg nach einem Vierteljahre schriftlich nochmals um Ordnung der ganzen Sache bat, wurde ihm erwidert, ein Teil der Repräsentanten sei abgereist, man müsse deren Rückkunft und auch die Meinung der im Vorstande nicht mehr vertretenen Generalprivilegierten abwarten. So musste sich denn das Kolleg wiederum an die Kammer mit der Bitte wenden: sie solle selbst den Tag der Uebernahme der Gelder von Seiten der Gemeinde bestimmen und letztere vom 1. Juli ab zur Zahlung des monatlich erforderlichen Betrages von 160 Thalern an״ halten. Daraufhin richteten auch die Repräsentanten an die Kammer die Bitte, mit der Ordnung der Angelegenheit noch so lange zu warten, bis die Antwort der Generalprivilegierten eingelaufen sei. Die Regierung bestimmte jedoch, die Gemeinde solle vorläufig die Gelder übernehmen und den monatliehen Betrag vorschiessen, da doch die Lehrer mit ihren Gehaltern nicht auf das Resultat der Deliberation warten könnten. Als wiederum ein Monat verstrichen war, erklärten die Repräsentanten der Kammer, sie könnten unmöglich dem an sie gestellten Verlangen nachkommen. Das jährliche Deficit der Schule betrage 490 Thaler; das könne die Gemeindekasse nicht aufbringen, zumal sie durch die freie Ueberlassung der Schullokalitäten noch Mietzins verliere. Die Stammnumeranten seien durch die herrschenden Nalmmgssorgen zu sehr in Anspruch genommen, als dass sich diese Summe von ihnen durch Umlagen eintreiben Hesse; die Generalprivilegierten aber hätten erklärt, die Schule gehe sie überhaupt nichts an, sondern sei fürdie Stammnumeranten eingerichtet; worden, und da man sie auch, bei anderen Gemeindeangelegenheiten nicht um Rat gefragt habe, könne man wohl hier ebenfalls ohne sie auskommen. Es liegt auf der Hand, dass die von den Repräsentanten vorgebrachten Gründe nur Schein gründe waren, und dass ihr ganzes bisheriges Vorgehen nur daraus hinaus lief, die Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben. Der eigentliche Grund ihrer Weigerung kommt ganz unwillkürlich in dem nichts-, und