Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829651-2877839--25136-2877879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Emancipatioas-Bestrebungen in Breslau. 469 Aufgeklärten und Frommen ,noch verstärkten und so auch auf die Wilhelms-Schule zurückwirkten. Der Landrabbiner starb am 20. October 1793, und an den Kämpfen1), die um die Besetzung seiner Stelle ausbrachen, waren die Mitglieder des Direktionskolleg nicht unbeteiligt2). Stand doch L. Meyer an der Spitze derer — der Aufgeklärten natürlich —, die das Landrabbinat aufgehoben und nur einen Rabbinatsassessor in der Person des R. Jesaia Low Berliner angestellt wissen wollten, und war es doch vor Allem seinem Einfluss zu verdanken, dass trotz aller Anstrengungen der frommen Gegenpartei diese Wünsche erfüllt wurden! Wie erregt die Stimmung der!Frommen durch alle bisherigen Reform- Vorgänge war, kam bei diesem Wahlkampfe so recht zum Ausdrucke. L. Meyer musste es sich in9s Gesicht sagen lassen, dass unter seiner Führung die Gemeinde verraten und verkauft sei, und was man von der Schule dachte, deren Mitdirektor er war, das sollte man bald laut genug zu hören bekommen.3) Einige Zeit nämlich nach dem Tode Joseph Jonas Fränckels hielt dessen Schwiegersohn, Wolf Kywe, d. i. Benjamin Wolf b. Akiba Eger, Rabbiner in Leipnik4), eine Trauer- und Gedächtnisrede in der ״Land schul“; er verwarnte im Verlaufe derselben die Gemeinde aufs Schärfste, dass sie gegen die Vorschrift des Religionsgesetzes ihre Kinder von Jugend auf dadurch zu schlechter Lehre anhielten, dass sie dieselben der Normalschule zuschickten, wo sie die Gesetze mit falscher Explikation erlernen müssten, wie schon Jeremias gesagt habe: sie gewöhnen ihre Zunge falsch zu sprechen. Sein verstorbener Schwiegervater habe sich darüber schwer betrübt und es gerne abzuwenden gesucht; da er aber dessen nicht mächtig gewesen sei, so solle man es wenigstens dem Toten ,zu Liebe jetzt noch abstellen. Zeugen sagten aus, der zorn- 1) Man vgh Brann, 8, 262 f. 2) G.-A. Konferenzprotocolle I. 3) G.-A. Misoeil. d. Gemeinde 1792/93. 4) Die Verwandtschaft bei Brann S. 254.