Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 10 · p. Seite 449

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 10
Article
Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
Date
1893-01-01
Page
Seite 449 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829651-2877835--25110-2877859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 449 Waschungen und Weih- oder Dankgebete, die Anrufungen und Beschwörungen entlehnt oder nachgeahmt, gerade wie der Thron wagen des Mithra oder seines assyrischen "Vorgängers mit dem Widerpart des Ahurmazda, dem Ahrimanius, אדסילום. auf die Gedankenwelt der jüdischen Mystiker den liebsten und nachhaltigsten Einfluss ausgeübt hat. Wie nun die Magier des Ävesta auf die Vernichtung des Reiches des Bösen und die Herstellung des Reiches des Guten durch einen Erlöser warteten und zu dem Behüte höchste Reinheit in That, Rede und Gedanken, besonders durch Anrafung des oder der heiligen Hamen, durch Heiligung des Körpers und des Bodens (Ackerbau) erstrebten, so war die ganze Sorge der jüdischen Chassidim und Prophetenjünger von Ezechiel her auf Heiligung des Gottesnamens, des Gotteslandes, des Gottestages, des Gottesvolkes oder der Person des Juden gerichtet. So stieg die Sabbathweihe, das Sabbathjahr, die Armenabgaben, die Beachtung der Reinheitsgesetze und die Heiligkeit des Gottesnamens immer mehr an Bedeutung. Es entstand in der That eine heilige Priestergemeinde aus Laien, die mit Recht das EzechieTsche מרי (Ezechiel und Numeri IL 17, III. 25) Volk der Widerspenstigkeit in ein ״ קליZufallssünde“ (Levitic. 26, 21—41) umwandelten. Der Zeeharianisclie Geist der Unreinheit musste dem רוח הקדש Platz machen durch regelmässiges Beten und Bussverricktung. Kommen wir nach dieser Abschweifung wieder zu den An sehe Kneseth haggedolah als Begründern der Liturgie zurück. Eine recht feine Beobachtung enthält die Ueberlieferung des Essäerschülers Josua ben Levi, Joma 69b: ״Die אכה״ג hätten die Gotteskrone wiederhergestellt in ihrem alten Glanze durch den vollen Anruf האל הגדול הגבוי והנורא, der im Mosesbuch sich findet Deuteron. 10, 17, bei Jeromia 32, 18 und bei Daniel 9, 4 nur mangelhaft erscheint und erst wieder bei Nehemia — denn dieser vertritt eben die אבה״ג! — wieder vollständig (siehe 9, 32) zum Ausdruck kommt. Es besteht zwischen diesen Gebeten in der That ein geschichtlicher Zusammenhang; sie zeigen einen einheitlichen Typus. Sie, und Gebete wie I. Chron. 29, 10—18 oder Amos 4, 13: 5, 8; 9, 6 und der 135. Psalm, führen geradeswegs über zu den apokryphischen Gebetstücken und den christlich-essemsehen. Mit anderen Worten denn: der höhere Inhalt des Gebetes war durch die prophetisck-psalmistische Literatur geboten, die Eorm lehnte sich an prophetische Vorbilder an. Wer nun kann diese Verbinclnng hergestellt und erhalten haben, wenn nicht eine be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.