Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 447 Sonne, השמש im ״dramatischen“ Gottesdienst, um ein schönes SteinthaPsches Wort zu gebrauchen, mit Weihegebeten hegriissen? Dass in המאיר לארץ essäische Elemente vorhanden sind, hat allerdings Kapoport’s Scharfblick erkannt. Bei dieser Entdeckung aber ist man stehen geblieben. Man hat höchstens sich mit Rapoport dazu verstanden, in den ותיקים, die das Schma beim ersten Hervorbrechen der Sonnenstrahlen aus der Tiefe בהנץ החמה lasen (Berachoth 9b), die ״gesinnungsstarkeir6 Essäer zu erblicken. Dass das Buch der Weisheit (16, 28) wie die Sibyllinen (III, 592) vom selbigen Brauch redenר gerade wie das Aristeasbuch und Judith, fiel unseren rabbinisehen Geschichtsschreibern nicht auf. Allein bereits Henoch spricht (Kap. 83—84) beim Aufgang der Sonne ein für seinen Sohn Methusalah besonders anfgeschriebenes Gebet an den ״ יוצר אורden Schöpfer des Lichtste etc., wie andererseits Baruch in (s. Apokalypse, Kap. 21) beim Sonnen- Untergang ein Gebet spricht, das die Grundzüge von מעשה בראשית und מעשה מרכבה enthält, wie sie in der jüdischen und kirchlichen Liturgie zur Ausbildung kamen. Wenn demnach Philo und Josephus die Essäer und deren egyptische Abzweigung, die Therapeuten, jeden Morgen den Sonnenaufgang mit einem Gebet um das irdische nnd um das geistige Licht feierlich begrüssten, so waren sie bereits mit den beiden Benedictionen יוצר אור und אהבה רבה, welche letztere auch als ברכת התורה figuriert, vertraut. Ein Blick auf die Christlich-essenische Liturgie (Apostol. Constitutionen, YII, 35 und VIII, 12, wo, nebenbei gesagt, Licht in אורו של משיח und das Wort, Logos, in Christus umschlug) lehrt, dass, wie die drei Benedictionen גבורות ,אבות :האל הגדול הגבור und die Engelspreisung קלושה dem ersten Gebet um physisches Lieht entsprechen, so kommt in חונן הדעת, in תשובה und גאולה das geistige Licht der Vernunft, der sittlichen Erneuerung und der weltlichen Erlösung zum Ausdruck, und ist hier das salomonische Weisheitsbuch — ein echt essäisches Conglomerat von zwei oder drei Fragmenten, wie Schreiber dieses vorläufig in der Allg. Zeitung des Judenthums vom 3. Juli 1891 f gezeigt hat — zum Gedanken gang heranzu ziehen! Dass die Benediction על הצדיקי׳ ועל החסידי׳ ועל פלט׳ סופריהם nicht später als zur Makkabäerzeit entstanden sein kann, sollte Jedem klar sein. Das hat auch Landshuth gesehen. Sonderbarerweise redet sein Commentar immer von dem רומיים, wo die יונים, die Macedonisehen Syrer, genannt sein sollten.