Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
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446 Ursprünge und. Grundformen der synagogalen Liturgie. Freudenkränze bei heiteren! Mahl statt des Trau ex ״j ochs“ des־ Fastens am Platze waren, bedurfte man dieses אות nicht. Versetzen ־wir uns nun in die Seele der babylonischen Exulanten, die sich sehnen, das Joch der heidnischen Herrscher gegen das Himmels joch der Gottesherrschaft zu vertauschen, und darum sich mit ihrem Gott jeden Morgen in neuer Weihe verknüpfen wollen. Wie nahe lag es ihnen, nach dem Beispiel der Magier, den Weiheruf und die Weihezeichen im Kapitel Schmä, in ״wehaja im Seh’moa“ und im Abschnitt Zizith zu finden! Dass man die T’fillin, deren Analogie im uralten Mandäerkultus zu finden, trotzdem dass Schammai lind Jehuda ben Bathyra u. Hillel solche als Erbgut ältester Zeiten trugen und bewahrten (S. Sanhedr. 92h 11. Mechiltha Bo), recht jung machen und ja beileibe nicht in der mosaischen Vorschrift geboten finden will, zeigt bloss, dass unsere ganze Forschungsmethode eine rationalistisch-falsche ist. Aristeas und Josephus kennen sie. Und Jesaia 57, 8 Ezech. 16, 17, II. König 11, 12 muss mit Exodus 12 u. 13 in Verbindung gebracht werden, das heisst: man muss die organische Entwickelung religiöser Bräuche aus heidnischen in monotheistisch höhere Formen zu verfolgen verstehen! Nun aber haben thatsächlich Büsser und Priester vom Euphrat bis zum Ganges hin jeden Morgen den Aufgang des Tagesgestirns mit heiligen Gebeten und Gesängen begrüsst — Sollten Judäas Gottesdiener hinter diesen Zurückbleiben? Nicht auch den Aufgang des ersten Gottes,,dieners“ an! Himmel, der Orient I, 237, Stanley, Eastern Cliurcli I, 561, E. Klunzinger, Oberägypten 178 u. Dillmann Exod. 105). Belehrt uns nun Jesaiali 57, 8 u. Levitic. 19, 27, dass man an Hausfchüren wie an dem Körper allerlei Zauberformen, nach Ezech. 16, 17 zu schliessen, obscöner Natur, wie sie noch heute der Orient kennt, — und die יד an den Tliüren der Palästinenser gehört auch dahin (s. Conder. Heth u. Moab. 275) — so begreift man, warum der israelitische Gesetzgeber die heiligen Worte an Leib und. Haus als Schutzmittel angebracht sehen will, und wiederum, wie unter־ persisch-magischem Einfluss der negative Charakter des Gebotes in einen, positiv-religiösen um schlug und die Legende schliesslich die Tefillni zu Versichfcbaiung der in Taubenschwingen sich herablassenden שכינה im Coenobiten Elischa — בעל כנפים — verklärte. Erst wenn wir den religiösen Cultus culturgeschicktlicli begreifen und verfolgen, werden wir die Geschichte des Judenthums besser zu würdigen wissen, als unsere mehr oder minder parteiischen Litteraturhistoriker, die bis jetzt die jüdische Geschichte geschrieben, es vermocht haben.