Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 5)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 445 so wird doch beim Schmä nach der Tradition nicht sowohl der Gotteinheitsgiauben, die יחדות, als die קבלת עול ״ מלכות שמיסDie Uebernahme des Jochs des Königreichs des Himmels“, betont, ein Begriff, der um sc» älter ist, als er uns fremdartiger anmuthet als jener erstere. Wie man in biblischer Zeit dem irdischen König die Huldigung und Unterwerfung bezeicbnete, indem man sich ein Joch um Haupt oder Hals setzte, so übernehmen die Engel im Himmel und die Heiligen auf Erden das Joch des Himmelreichs, um Gott als König zu preisen und Seine Gebote — עול מצוות — zu vollziehen. Nun aber war zu dieser Uebernahme des himmlischen Jochs sichtbare Zeichen nothwendig, und das waren die Kopfbinden — תפלין — mit den magischen Gottesnamen, ohne welche das Schmälesen zur Lüge wird, nach Berachoth 14b. Mit den Gebetriemen band man sich thatsächlich in den Dienst der Gottesherrschaft1). Nur am heiligen Sabbatli, an dem J} Religiöse Symbole sind, so gut wie Sprachwurzeln, organische Gebilde, die auf vorgeschichtliche Ursprünge zurückgehen und von ■der herrschenden Meinung ihre Neugestaltung und Neubegründung ■erhalten. Wie die Ausdrücke קשר של תפלץ, von der Kopf binde Gottes gebraucht (Berachot 6 u. 7a), קומעת תפלין וקשר׳ (Tosefta Dernai 2,17) -oder תפלין für Hausamulet — מזווה — gebraucht (ScheehteBs Aboth di R. Nathan, p. 165) auf die Kategorie der syrisch-christlichen u. heidnischen קמיעא und קטרא (s. Kais ex, Canon d. Jacob vonEdessa, p. 130— 32) hinweisen, so lassen Targum Hohel. 8, 8; Midrasch Bemidbar Rabba, S. 12; Jerusch. Pea 1,1 מדוזה דמנטרא י.ך an dem phylaktexischen Charakter dieser Gebinde oder Gehänge für Körper und Haus keinen Zweifel, und stellt sich die mysteriöse Krone תנא (s. Aboth di R. Nathan, ed. Schechter, S. 56), כתר u. עדי זיין כשם המפורש Targ. Jonath. zu Exodus 88,4 u. 6 u. vgl. Jalkut zu II. König 11, 12 עדות nach Aboda Sara 84) als verwandte Form dazu. Die babylonischen Heiden-Gnostiker, die Mandäer, setzten jeden Morgen, nach Unter tauchen im Wasser, die Krone, כליל, und das Lichtgewand, den Sonnengott nachahmend, sich auf, ehe sie die Hände betend ausbreiteten. Das thaten auch die Essäer (siehe Schir Haschirim rabba zu שעלו מן הרחצה Hohel, 4, 2). Bevor jedoch die Tefillin heiliger Brauch beim Morgen gebet wurden, gebot das Pentateuchgesetz in Anknüpfung an das Pesachopfer ודוד לאות על ירכה ולטוטפות בין עיניך Exodus 18, 16 — und wiederholt diese Vorschrift in dem vorausgehenden jüngeren Vers 9 und wiederum in Deuter. 6,8 und 11; 18• Bei den letzteren drei Stellen ist des Schriftstellers Absicht der Vergeistigung des Schutzmittels als Sinnbild unverkennbar. Um so rälhselliafter ist im Exodus der Zusammenhang zwischen dem Pessachopfer und dem Tefillin gebot. Glücklichervveise haben uns die Samaritaner aus vorpentateuchischer Zeit das abgerissene Verbindungsglied in dem Brauch erhalten, beim Pessachopfer die Hand in’s Blut zu tauchen und, wie die Thürpfosten im alten Israel, so Stirn und Nase zu salben. (Petermann, Reisen im