Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 4)
- Language
- German
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444 Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. Doch unterlassen wir waghalsige Sprünge. Beginnen wir vielmehr mit der Tradition, die als Schöpfer der synagogalen Einrichtungen die Ansehe Kneseth haggedolah nennt. Was hat .man nun nicht Alles aus diesen ,,Männern der grossen Synagoge“ gemacht! Eine Kirchenbehörde, die von Cyrns7 Zeit bis zu den Makkabäern bestanden haben soll, von deren Existenz aber keine zeitgeschichtliche Quelle Kunde giebt! (Siehe Schuerer, Neutest. Zeitgesch. II, 291). Gewiss wollte die Ueberlieferung nur die Begründer der jerusalemischen Ge״ meinde, Esra und seine Genossen, die Mittelglieder zwischen den letzten Propheten Haggai, Zecharia und Maleachi und den späten nachnaakkabäischen Schulhäuptern also benannt wissen, und nur die schöpferische Periode des nachexilischen Juden״ thums in ihnen verkörpert sehen. Denn die Schulhäupter der Hillel’sehen und der vor-HilleTschen Periode, (die nur noch ״ זוגותBeeren“ sind gegenüber den früheren Weintrauben — אשכולות —■ des Gottesweinbergs), finden bereits die Liturgie in allen ihren Bestandtheilen und Segensformeln so gut wie irgend eine der sahbathlichen, der diätetischen und sakralen Begeh! der Halacha fertig abgeschlossen vor. Ihr Streit bewegt sich um Einzelfragen, nicht mehr um Grundsätze und allgemeine Bestimmungen. Wer hat nun, um mit Stein thal zu reden, (S. Allg. Zeitung des Judenth. 1892 von 20. u. 27. Mai) ״aus den 5845 Versen des Pentateuchs den einen Vers: Höre, Israel, als Kähnen״ Inschrift der Juden auserlesen?“ ״Das haben die unbekannten Männer der grossen Synode innerhalb einer 250 Jahre um״ fassenden Epoche gethan,“ antwortet Steinthal nach Zunz, Aber das ist keine Antwort. Viel näher schon kommt man der Lösung, wenn man das einzigartige Kapitel im Deuteronomium daraufhin untersucht, ob es nicht ursprünglich eine Art Schlachtruf eines Priesterpropheten an die Israelsge״ meinde (vgl. Deut. 20, 3 u. 9, 1) war und eigentlich bedeutet hat: "שמע ישראל את שמע יי ,,Höre Israel den [Kriegs־] Ruf unseres einzigen Gottes!“ Gewiss war dieser Schlachtenruf des Monotheismus dem Verfasser der Zecharianischen Weissagung (Siehe 14, 9 j,An jenem Tage wird Gott Einer sein und Sein Name Einer“) bereits als solcher geläufig! Aber so sehr Steinthal das schöne neugebildete Wort יחל in dem Gebet vor den! Schmä als Schöpfung jener Männer bewundert, nistischen Litteratur das Dunkel, das über der vortalmudischen Chassidim Lehre und Leben gebreitet ist, lichten! —