Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
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Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. 443 bezeugt YÖllige Unbekanntschaft mit dem Geist der exilischen .Litteralur, wenn man verkennt, dass der ,,heilige Geist“ durch Wasserstrahlen thatsächlich schon über die Geweihten der jüdischen Exulanten ״ausgegossen“ wurde. Denn nur so erklären sich die Ausdrücke: ״Ich giesse reines Wasser über Euch und gebe meinen Geist in Euch“, wofür es später heisst: '״ ושפכתיich giesse aus meinen Geist über das Haus Israels/‘ (Ezeeh. 37, 25f.) Aehnlich Deuterajesaia 44, 3: אצולן רוחי על ״ זרעך׳Ich giese aus meinen Geist auf Deinen Samen“־ und •Joel 3, lf: ״ אשפוך את רוחיIch giesse aus meinen Geist auf •alles Fleisch, dass sie von prophetischer Kraft ergriffen werden.“ Auch die Geistesausschüttung in Zecharia 12, 10 steht zu dicht bei der Quelle 13, lf, die den ״Geist der Unreinheit“ aus dem Lande schafft, um übersehen werden zu dürfen. ‘(Auch die Interpolation Jesaiah IV, 2—6 gehört hierher.) Mit anderen Worten denn — was man Seitens rabbinischeinseitiger Forschung als unjüdisch, als christlich und was sonst noch, bezeichnet hat, am Essäerbrauch sich durch Baden und Waschungen und sonstige Bussübungen für die Ausrufung des Gottesnamens im Gehet zu weihen, das ist vorrabbinische, uralte Sitte der Chassidim oder Anavim, der frommen Gottesknechte, die zuerst den Muth fassten, zu rufen: ״ אתה יי אבינו אתהDu, 0 Herr, hist unser Vater.“ (Jesaiah 63,16). In diesen Kreisen, in welchen ein grosser Theil der Psalmen und wie die jesaianischen Trostkapitel, die sich über mehr denn ein ganzes Jahrhundert erstrecken, so auch die vielen Zusätze, Trostschlussworte und andere Stücke der prophetischen Litteratur entstanden sind und jedes der heiligen Bücher die jetzige Form empfangen hat, sind auch die Anhänger der synagogalen Liturgie zu suchen. In diesen Kreisen wurde den Gebeten ihre stereotype Form und ihr reicher mystischer Inhalt gegeben. Und das Bindeglied zwischen dem synagogalen Ritus, den in vor־־ und nachtalmudisolier Zeit nur fromme Mystiker geschahen und beeinflusst haben, und der vornicäisehen Kirchenliturgie, wie sie in den Apostolischen Constitutionen gesammelt und bruchstückweise, wenn auch später tiberkleistert und übertüncht, erhalten ist, bildet das von jüdischen Gelehrten arg vernachlässigte Essäerthum 1). 1) Der Einzige, der auf dem Wege ist, den Essäern gerecht zu ־werden, ist Dr. J. N. Weinstein. Nur ist er auch noch zu einseitiger Talmudist, and kann nur ein Studium der apokryphischen und helle- 29*