Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 18)
- Language
- German
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426 Emancipations-Bestrebungen in Breslau.; gewähren. Freilich müssten sie sich dann auch entschliessen, äm Sabbath zu fechten und zwar sowohl zur Verteidigung als auch zum Angriff! Solange sie es .ferner für verboten hielten, bei fremden Religionsverwandten zu dienen, seien sie auch zu grober Hand- und Tagelöhnerarbeit nicht zu gebrauchen, und endlich untergrabe ihre Hoffnung, dass ein Messias sie erlösen und zu einem grossen Volke machen werde, die Möglichkeit jedes Patriotismus, wenn auch hie und da einzelne Aufgeklärte solchen beweisen sollten. Diese Aufgeklärten seien es auch allein, die, allerdings nur für ihre Person, völlige Gleichstellung mit den anderen Bürgern verdienen würden; es ergebe sich also für den Staat die Pflicht, die Denkungsart der übrigen Juden in diesen Beziehungen gleichfalls aufzuklären. und dazu seien jüdische Unterrichtsanstalten der beste Anfang, ־wie denn auch solches bereits am hiesigen Orte mit grossem Nutzen geschehen sei. klebrigens könne der Staat für alle Einzelnen Erleichterungen treffen. Eine Abschaffung der Städte-Privilegien de non tolerandis Judaeis sei allerdings in jetziger Zeit, bei dem Revolutions״׳־־ gjeiste der französischen Nation, welche ihre falschen Freiheitssätze möglichst zu verbreiten suche, nicht gerathen; man dürfe jetzt den Vorurteilen der christlichen Unterthanen hierin keine Schranken setzen, solle vielmehr die Aufhebung dieser Privilegien den Städten selbst überlassen, worin ja Breslau und Oppeln bereits mit gutem Beispiele vorangegangen, seien1). Auch eine Aufhebung der Heiratsbeschräntungen sei nur dann vorzunehmen, wenn durch die Hinzuziehung der Juden zum Militär und ihre Teilnahme am Kriege ein Gleichgewicht für ihre sonst zu gross werdende Vermehrung geschaffen werde. Ferner solle man darauf sehen, dass nicht zu viele Tempel und Kirchhöfe entständen, um sie durch allmähliche Entfernung von ihren grösstenteils schlecht bestellten Synagogen zu mehr vernunftmässigem Nachdenken über ihre 1) Gemeint ist in der ,Praxis: von einein besonderen Gesetze, das dieses Jus aufgehoben hätte, ist nichts bekannt,