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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 9 · p. Seite 425

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 9
Article
Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
Date
1893-01-01
Page
Seite 425 (sequence 17)
Language
German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 425 gemeine DuLdungsgeist stimmt auch buchstäblich mit der Lehre des göttlichen Stifters der christlichen Religion/‘ Solche goldene lind auch jetzt noch sehr beherzigenswerte Worte konnten von Staatsbeamten ansgesprochen werden, während Herrscher und Hof in stärkster Reaction befangen waren! Die Kammer meint nun, dass diese Grundsätze praktisch nur durchführbar seien, wenn der Unterthan durch sein Bekenutnis zu einer besonderen Religion nicht diejenigen allgemeinen Rechte und Verbindlichkeiten störe, welche der Staat seinen Bürgern zur Pflicht gemacht habe. Anstatt jedoch daran zu denken, dass die Nichterfüllung staatlicher Pflichten von Seiten der Juden nur die Folge ihrer gewaltsamen Allsschliessung und Zurückweisung von Seiten des Staates selbst gewesen, schiebt sie die Schuld wieder einmal dem Talmud und der jüdisehen Religion überhaupt zu. Die Vorschläge der Kammer betreffen demgemäss die Hinwegräumung nicht etwa der bürgerliehen, sondern zunächst der religiösen Verschiedenheiten1). Als erste Forderung stellt sie die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag auf; ein Gedanke, auf den man auch in Berlin bereits Bedacht genommen habe. Diese Forderung sei um so gerechtfertigter, als es wirklich historisch ungewiss sei, welcher Tag der Woche eigentlich der erste Schöpfungstag nach der Tradition des Moses sein solle, und ihre Erfüllung würde die Zulassung der Juden zum Handwerk und zum Rusticalbesitz ermöglichen. Freilich lasse sie sich nicht durch Staatsgesetz durchführen, sondern müsse als Gewissenssache dem freien Willen der Religionsbekenner überlassen bleiben. Ein zweites Hindernis der Reform, besonders in gesellschaftlicher Beziehung, seien die Speisegesetze; der Staat habe ebenfalls an ihrer Beseitigung ein Interesse, wenn es sich darum handeln würde, den Juden Aufnahme in den Militärdienst zu 1811 (נ sah Schlickmann, cler Leiter der Kultusabteiluiig im preuss. Ministerium, das Verkehrte dieser Anschauung ein; er erklärte, eine Reform der kirchlichen Verhältnisse bei den Juden sei nötig, habe aber mit der bürgerlichen nichts zu thun. Vgl. Stern, Abhandl. u. Aktenstücke etc., S. 247. Monatsschrift. 37. Jahrgang. 28

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