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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 9 · p. Seite 423

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 9
Article
Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
Date
1893-01-01
Page
Seite 423 (sequence 15)
Language
German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 423 eine leicht erklärliche Reaction gegen die Verbessern ngspläae der Kammer und Hoyms. Ein so inniges Yerständnis hatten dieselben selbst bei den Vertretern der Breslauer Bürgerschaft gefunden! Minister und Kammer waren natürlich durchaus nicht gewillt, dem Verlangen des Magistrats nachzugeben und traten auch hier wieder eifrig für die Juden ein. Ja, wie sehr es ihnen wirk!ich am Herzen lag, die Lage derselben zu bessern, ist daraus ersichtlich, dass auf Hoyms Veranlassung und auf zahlreich einlaufende Vorschläge von jüdischer Seite1) hin die Kammer eben sowohl wie Zhnmermann weitere Pläne zur Reform und Verbesserung der Juden ausgearbeitet hatten2). Der inzwischen mit Frankreich ausgebrochene Krieg, der die Aufmerksamkeit der Regierung von den inneren Verhältnissen mehr oder weniger ablenkte, liess sie zwar nur zum kleinsten Teile zur Zeitalters und nicht za der zu erwartenden. Gesetzgebung wegen Yeränderung der gegenwärtigen biirgerl. Verhältnisse der Juden״‘; s. Stern, Abhandlungen 11. Actenstücke zur Gesch. d. preuss. Reformzeit, S. 251 f. Ü In G״A, Miscellanea 1789/90 findet sich ein diesbez. Schreiben Sal. Sei, Pappen 11 ei ms von Lubliuitz aus an Zimmermann; er fordert freien und uneingeschränkten Handel, Aufnahme in die Zünfte, imbegrenztesMederlassungsrecht. Man solle nicht zu rasch mit den Reformen Vorgehen und weniger die Wünsche der stolzen Breslauer und Berliner Juden, die die eitle Anwartschaft auf Aemter und Ehrenstellen zu besitzen strebten, als vielmehr die der gemeinen Juden beachten und erfüllen. Er selbst würde sich glücklich schätzen, wenn er nur die Preiheit ge״ niessen könne, die ein Lublinitzer Tagelöhner und Nachtwächter geniesse. ,,Voltaire höhnet die alten Israeliten, dass sie zwanzigtausend Epliraimiten geschlachtet, weil sie das Wort Schiboleth nicht aussprechen konnten; ich aber — ich muss in Breslau zum Eingang Geleite bezahlen, weil ich kein Schweinefleisch esse, darf mit keiner Wolle, keinem Leder, keinem Garn, keinem Tuch handeln, weil tch glaube, dass die Person Gottes nur in Ein Einziges Wesen besteht. 0! Stolze Bürger der Stadt Gottes, die ihr Religion mit politischem Flittergolde vergüldet!“ Auch der Einwand, dass die Juden nicht so viel leisten wie die Christen, da sie nicht Soldaten seien, und deshalb nicht emancipiert werden könnten, sei hinfällig; denn das Geld, das die Juden als solche jährlich dem Staate zu zahlen hätten, reiche hin, um dafür drei Compagnien Schweizer auf 10 Jahre in Sold zu nehmen. 2) St. A., PA, II 39 f. und MR XV, 6. >

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