Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
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414 Emancipations-Bestrebungen, in Breslau. Kampf verbittern lassen ־wollte1),, war ausser st betrübt darüber, dass die Kammer ihn mit unangenehmen, ״criminellen Benennungen als da seien rebelle, chicaneur und intoleranter Geistlicher“ traetiere, und bat, man möge ihn von der Aufsicht befreien, da es über kurz oder lang doch zu Streitigkeiten mit dem Colleg ״über den methodum discendi oder sonst“ kommen würde. Die Kammer beruhigte den Landrabbiner, erfüllte aber seine Bitte nicht. So gehörte Joseph Jonas Fränckel trotz seines Widerwillens gegen die Schule nominell wenigstens dem Schulcollegium an; gekümmert hat er sich jedenfalls überhaupt nicht um ihre Angelegenheiten. Bie Warnung jedoch, welche die Kammer ausgesprochen hatte,, war nicht ganz ungerechtfertigt; denn durch den Talmudstreit hatte die Wilhelmsschule sich alle Sympathien der Frommen und Frömmsten verscherzt, und ein anderer Schritt, den das Collegium bald darauf that, gab, so angemessen und zweckbewusst er auch sonst war, Grund zu neuer Feindschaft gegen die Anstalt und ihre Leiter. Die schon öfters erwähnten polnischen Melammedim, die bisher ungestört in ihren Schulen nach altgewohnter Unmanier batten unterrichten können, waren selbstredend keine Freunde der neuen Anstalt, die ihnen so vieles Schülermaterial entzog und so verächtlich auf sie herabblickte. Seitdem sie wussten, dass auch der Landrabbiner und die frömmsten Mitglieder der Gemeinde ihr nicht hold waren, wurde es ihnen leicht, öffentlieh ihrem Unwillen Ausdruck zu geben und fromme ängstliche Gemüter davor zu warnen, dass sie ihre Kinder in eine Schule schickten, die offenbar der Religion feindselig gesinnt sei,, und an der auch nicht einmal Talmud gelehrt werde, Die Talmudlehrerstelle war nämlich noch nicht besetztl Die Mit- ג) Er war 1721 geboren (Bran 11, 1. c., S. 237), also damals 70 Jahre alt. Man vgl. den ehrenvollen Nachruf, den Löwe und Wolfssohn ihm im Meassef, 1794, S. 78 nach seinem Tode widmeten. Es heisst dort: ..איש ישר והילך תמים שונא בצע וירא אלהים היה מנעוריו עד יום מותר Auch zu seinem Nachfolger Jesaias Berliner standen Beide im besten Verhältniss. Vgl. Berline r, E. Jesaia, Berlin., im Magazin f. d. Wissen sch. d. Judent^. 1879, S. 84.