Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ein Übersetzungsfehler bei den Synoptikern
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 2)
- Language
- German
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394 Ein Uebersetzungsföhler bei den Synoptikern. Ich schätze Prof. Ckwolsons Buch viel zu hoch als eine Probe dessenד was ein rabbinischer Commentar zu den Evangelien leisten könnte, wie ich ihn 1886 in Baden meinem verehrten Freunde I. 11־. Weiss als ein Desideratum der jüdischen Wissenschaft auf das Dringendste zur Ausarbeitung empfahl, als dass ich seine Losung .leichterdings anzufechten unter־ nehmen würde. Wenn ich seinem Versuche mich nicht an־ schliesse, so geschieht es aus zwingenden sprachlichen Gründen. Der ursprüngliche Text von Matthäus XXVI, 17 dürfte nach Ohwolson gelautet haben: יומא קלמיא לפטיליא קלב וקלבו תרמילוהי לות ישוצ ואמלו. Die Annahme einer Dittograpkie der Buch staben gruppe קלפו soll ihren Ausfall bei einem Abschreiber veranlasst und die Aenderung des ersten Wortes in כיומא bewirkt haben. Aber auch abgesehen von syntaktischen Bedenken gegen die Formen קלב וקלסי und graphischen. Einwendungen gegen die Annahme dieser Fehlerquelle, vermag ich nicht über die Unmöglichkeit der hier vermutlieten Ausdrucks weise kinwegzukommen: der erste Tag des Pesachfestes nahete. So wenig als man von einem heran ziehenden Regimen te sagen oder schreiben ־wird: der erste Mann des Regimentes rückte heran, ־wird man von einem Erzähler vermuthen dürfen, es sei ihm eine Wendung aus der Feder geflossen wie: der erste Tag des Pessachfestes nahte heran, zumal keine psychologische Veranlassung bei dem Schreiber vorlag, innerhalb des herannahenden Festes den ersten Tag hervorzuheben.. Ich vermuthe daher, dass die Fehlerquelle beim Uebersetzer zu suchen ist. Wer da weiss, wie es kein Buch der apokryphischen Litteratur giebt, das nicht beim Uebergang in die griechische Gewandung nur durch die Verinuthung heilbaren Schaden genommen hätte, und dass wir auch die heilige Schrift ohne die rettende That der Synagoge, die unschätzbare Erhaltung des Urtextes, vergebens in ihrem vollen Werthe bei den Siebzig gesucht haben würden, der wird die Annahme eines Uebersetzungsfehlers im Urevangelium oder der gemeinsamen Quelle der Synopse nicht abzuweisen vermögen» Denkt man nun daran, dass das Wort für die Präposition ״vor1‘ und das Ordnungszahlwort ״der erste“ im Aramäischen gleich lautet, so liegt die Vermuthung nicht allzufern, dass aus der so natürlichen Angabe: ,Und vor dem Pessackfeste, da traten die Jünger vor Jesus1 die unlösbare chronologische Ungeheuerlichkeit entstanden sein mag: ,Am ersten Tage des Pessachfestes, an dem längst vom Pessachopfer Nichts übrig sein