Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
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Neutestamentliche Studien. 353 das 4. Ev. einsetzt, und von weichem ans es seine Erklärung findet. Dass es kein ,.beidenchristliches‘1 Evangelium ist, wie Graetz (Gesch. d. Juden, IV2) u. A. meinen, ist schon aus der bisherigen Darstellung klar geworden. Es ist im Gegentheil ein prononeiert judenchristliches Evangelium, d. h. es ist für solche jüdische Kreise beiechnet, welche, ohne Zeloten zu sein, treu zum Judenthum hielten, mit dessen Schriftthum und Lehren wohl vertraut waren, aber auch der ״griechischen 'Bildung“ nicht fern standen und gelegentlich auch wohl eines von den ״fremden Büchern“ in die Hand nahmen. Dass es um die Mitte des 2. Jahrhunderts, die von den berufensten Kritikern angenommene Entstehungszeit des 4. Ev., zahlreiche, nach beiden Bichtungen zwar nicht gelehrte, aber doch gebildete Juden gegeben, ist zweifellos. Auf sie ist das Verdämmungsurtheil des B. Akiba (Synhedr. X, 1) gemünzt, welches denjenigen mit dem Verluste der Seligkeit bedroht, der in ,,fremden Büchern“ liest, und es muss doch genügende Veranlassung obgewaltet haben, ein solches Verdammu ngsurtheil auszusprechen. Andererseits ist bekannt, dass B. Chanina von seinem Oheim B. Josua dem christlichen Einfluss entzogen werden musste, dass B. Meir mit einem griechischen Philosophen Oenomaos aus Gadara verkehrte, sowie dass der Pythagoräer oder Neuplaton iker Numenios von Plato hekauptete, er sei nichts anderes, als ein Mo&ocyyjs axTivaCcov (Graetz das., S. 469). Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass es zu der angegebenen Zeit an zugleich jüdisch und griechisch gebildeten Juden nicht fehlte, welche für die neue Lehre zu gewinnen einem Adepten derselben ebenso leicht wie verdienstlich dünken mochte. Aber es liegt auf der Hand, dass diese Kreise viel zu unbefangen waren, als dass sie einer bis auf David, oder gar bis auf Adam zurückreichenden Genealogie Jesu Glauben entgegen gebracht hätten, dass sie durch gewaltsame Bezüge auf alte prophetische Stellen von seiner jungfräulichen Geburt und seiner vorgedeuteten Sendung zu überzeugen gewesen wären, oder endlich, dass ihnen Berichte von seiner IJeb er Windung Satan’s und der Dämonen hätten Eindruck machen können. Letztere spielten in der neutestamentlicken Zeit noch gar keine Bolle im eigentlichen Judenthume und haben erst durch persischen Einfluss eine im Ganzen nur oberflächliche Bedeutung in demselben erlangt, wonach man beurtkeilen mag, was au der Behauptung H. Holtzmann’s zu Mt. 4, 5—11, S. 67, Wahres ist: ״Nach der jüdischen Messiaslehre gehört es zum Beruf dessen, ״der