Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
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352 Neutes tarnen tliehe Studien. ihn bereits in den Tagen Hiskia’s aufgegessen“ — eine Aeusserung, die schon im Talmud anstössig gefunden wurde, die aber das Anstössige verliert, wenn man sie als einen Protest gegen den vorhandene Pflichten übersehenden und in Zukunftsphantasieen schwelgenden Messiaskultus auffasst1). Hierzu kommt noch der sehr wichtige Umstand, dass man mit dem Ausdruck ״Messiaszeit“ (ימות המשיח) ebenso wenig eine konkrete eschatologische Vorstellung verband, wie mit dem Hinweise auf die Ankunft Elijahn’s (עד שיבוא אליהו). Wie diese Formel eine in der Halaeha gebrauchte juristische Fiction ausdrückt, so bildet jene eine ethische, so zwar, dass man, um gegenwärtige moralische Schäden rückhaltlos geissein und dadurch bessern zu können, dieselben in die Zeit unmittelbar vor Ankunft des Messias verlegte, oder die letztere von ihrer Abstellung abhängig machte. In diese Kategorie von Aeusserungen gehören Sätze wie dieser: ״Der Sohn David’s kommt nicht eher, als bis die Hochmüthigen aus Israel verschwinden“ (das. 98 a), und eine ganze Eeihe ebenso anfangender Aussprüche, so wie die Schilderungen der mit den ״Geburtswehen“ des Messias verknüpften politischen und moralischen Ausartungen (M. Sota Ende und Synhedr. 1. c.), die schon jetzt vorhanden waren, die man aber, wie bemerkt, in jene Gebnrtswehen des Messias verlegte, um ihnen besser zu Leibe gehen zu können, so dass es hierbei ersichtlicherrnassen weniger auf den Messias, als auf die actuelle moralische *Wirkung an kam. Aus diesem Allem (was dem im Wesen und in der Geschichte des Judenthums begründeten Fundamentalsatz eines persönlichen Messias durchaus nicht widerstreitet) ergiebt sich, dass die von Schürer (Gesell, d. jürt. Volkes, II, S. 433) behauptete ״Intensität der messianisehen Hoffnung im Zeitalter Jesu Christ“ im talmudisch-midraschischem Schrifttkum keinerlei Bezeugung findet, und, insofern das Fehlen dieser Bezeugung auch eine ist, rechtfertigt sich unser Urtheil, dass das entgegenstehende Zeugniss der Evangelien nur für einen kleinen Kreis des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Geltung beanspruchen kann. Hier ist nun der Punkt (zu welchem zu gelangen, die vorstehende längere Ausführung nothwendig war), an welchem 1) Baldensperger, a. a. 0,S. 99, sieht in der Aeusserung des Rabbi Hillel einen Beweis für ,,das Verlöschen der religiösen Flamme im Judenthuin'b und ruft ans: ״Wielehrreich, dass dieser Pessimismus so ganz das klassische Alterthum streift, das ebenfalls nur von einem goldenen Zeitalter in der Vergangenheit wusste“. Das eineUrtheil ist so schief wie das andere.